POLARIN: Neues internationales Netzwerk für polare Forschungsinfrastruktur | Polarjournal
Die deutsche Neumayer-Station in der Antarktis ist nur eine der 64 Forschungseinrichtungen, die Forschende im Rahmen des POLARIN-Netzwerks nutzen können. Foto: Klaus Guba

Die EU fördert über das HORIZON EUROPE – Rahmenprogramm in den kommenden fünf Jahren das neue Forschungsinfrastrukturprojekt POLARIN (Polar Research Infrastructure Network) mit insgesamt 14,6 Millionen Euro. Fünfzig Institutionen, die sich zu einem internationalen Netzwerk zusammengeschlossen haben, soll so der Zugang zu Forschungsinfrastruktur in den Polargebieten ermöglicht werden. Die Projektkoordination übernimmt das deutsche Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Die umfangreiche bestehende polare Forschungsinfrastruktur wie Stationen und Eisbrecher wollen in Arktis und Antarktis operierende Nationen künftig verstärkt gemeinsam nutzen, was Kosten einspart und die Polarforschung nachhaltiger gestaltet. Ein ambitioniertes Vorhaben, dessen Umsetzung ab sofort beginnen kann, berichtet das AWI in einer Pressemitteilung vom 29. Februar. Offiziell am 1. März gestartet, wird das neue von der Europäischen Union mit rund 14,6 Millionen Euro geförderte Projekt POLARIN (Polar Research Infrastructure Network) unter der Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) einem Netzwerk von 50 Institutionen aus 21 Ländern in Zukunft den Zugang zu Forschungsinfrastruktur in den Polargebieten ermöglichen. POLARIN hat sich zum Ziel gesetzt, die interdisziplinäre Forschung zu fördern, um die wissenschaftlichen Herausforderungen in beiden Polarregionen zu bewältigen.

Hintergrund für die Initiierung dieses einzigartigen Projekts, das die Polarforschung immens stärken wird, sind die immer mehr an Bedeutung gewinnenden komplexen Umweltprozesse in Arktis und Antarktis, die das Klima der Erde entscheidend beeinflussen. Um sie besser zu verstehen und vorherzusagen sowie um datenbasierte Empfehlungen an die Politik weitergeben zu können, benötigt die Polarforschungsgemeinschaft Zugang zu polaren Forschungsinfrastrukturen von Weltrang, heißt es in der Pressemitteilung. 

Teil des Netzwerks sind zahlreiche europäische Partnerinstitutionen wie die Aarhus University, das Grönländische Naturinstitut, das französische Nationale Zentrum für Wissenschaftliche Forschung (CNRS), der Nationale Forschungsrat Italiens (CNR), das National Antarctic Scientific Center der Ukraine und das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ). Darüberhinaus sind auch Institutionen aus Chile, Kanada und den USA beteiligt. Die vollständige Liste der teilnehmenden Institutionen kann auf CORDIS eingesehen werden.

Das POLARIN-Projekt bietet auch die Möglichkeit, Daten aus der Ferne anzufordern, ohne dass die Forschenden selbst vor Ort sein müssen. Foto: Elke Ludewig

Im Rahmen von POLARIN werden insgesamt 64 hochrangige polare Forschungseinrichtungen für das Netzwerk verfügbar sein. Dazu gehören unter anderem arktische und antarktische Forschungsstationen, Forschungsschiffe und Eisbrecher, Observatorien an Land und auf See, Dateninfrastrukturen sowie Eis- und Sedimentkernlager. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen einerseits vor Ort in bzw. auf den verschiedenen Einrichtungen ihre Forschung durchführen können. Andererseits können sie auch virtuellen Zugang beispielsweise zu Dateninfrastrukturen erhalten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, aus der Ferne Proben, Datensätze oder ähnliches anzufordern, die von Forschenden vor Ort erhoben werden, ohne dass die Anfragenden selbst vor Ort sein müssen.

«Das Besondere an POLARIN ist, dass wir zum ersten Mal den Zugang zu Forschungsinfrastrukturen sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis im Rahmen eines einzelnen Projekts anbieten», sagt Dr. Nicole Biebow, Projektkoordinatorin von POLARIN am AWI, in der Pressemitteilung. «Wir haben ein Netzwerk komplementärer und interdisziplinärer Forschungsinfrastrukturen geschaffen, das alle verwandten Forschungsbereiche umfasst – von der marinen und terrestrischen Forschung bis hin zur Atmosphäre. Dies ist ein einzigartiger und neuartiger Ansatz.»

POLARIN berücksichtigt auch die junge Generation an Polarforschern, der Schulungen über die optimale Nutzung von Infrastrukturen für ihre Forschung angeboten werden. Zudem sollen die Online-Dienste, der Datenzugriff sowie die Kompatibilität zwischen den genutzten Systemen verbessert werden.

Julia Hager, PolarJournal

Beitragsbild: Stefanie Arndt / AWI

Mehr Informationen zum Projekt: https://cordis.europa.eu/project/id/101130949 

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