Schumann-Reisen streicht Arktis- und Antarktis-Reisen | Polarjournal
Die «MSC Meraviglia» mit einer Kapazität von 5’714 Passagieren im Hafen von Longyerbyen (Spitzbergen). Da dürfte es im 2’800 Einwohner zählenden Ort schon etwas eng werden. (Foto: Port of Longearbyen)

Die Entwicklung des Polar-Tourismus

Reisen in die Antarktis und die Arktis boomen. Angefangen hat der Tourismus in die Antarktis in den 1960er Jahren und begann sehr bescheiden. Zählte man in der Saison 1991/92 erst 6’400 Touristen, waren es in der Saison 2017/18 bereits 42’600 Besucher. In der Saison 22/23 zählte man schon 71’000 Besucher (ohne die Cruise-only-Gäste). Zur Regulierung des touristischen Schiffsverkehrs wurde im Jahr 1991 die IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators) mit Sitz in Newport (Rhode Island) gegründet.

Der arktische Tourismus findet bereits seit dem 19. Jahrhundert statt und gehört zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen im hohen Norden. Bereits im Jahr 2003 wurde die AECO (Association of Arctic Expedition Cruise Operators) zur Regulierung der Touristenströme in einem Teil der Arktis gegründet. Doch die norwegische Regierung scheint der Anischt, dass es auf Spitzbergen ausser Kontrolle geraten ist, was zu einer strengen Regulierung ab der Saison 2025 führt.

Der russische Eisbrecher «Kapitan Khlebnikov» in der Antarktis. Das Schiff wurde auch in der Arktis für Touristenfahrten eingesetzt. Letztmals bei der Nordost-Passage im Jahr 2016. (Foto: Rosamaria Kubny)

Heute übersteigt das Angebot die Nachfrage

In den 1990er Jahren waren in den polaren Regionen nur wenige Schiffe mit Touristen unterwegs. Die Kapazität der Schiffe betrug 35 -160 Passagiere. Angeboten wurden die Reisen als Expeditionen. Der grössere Teil der eisverstärkten Schiffe hatte russischen Ursprung und waren eher bescheiden in der Ausstattung.

Ab 2010 kamen immer mehr Reedereien auf dem Markt und demzufolge auch zahlreichere und grössere Schiffe. So entstand in den letzten 5 Jahren Überkapazität und einige Reedereien müssen einen Grossteil ihres Angebotes mit Nachlässen anbieten. Die Kapazität der Schiffe beträgt heute im Schnitt 200 Passagiere und mehr, noch immer werden diese Abfahrten als Expeditionen angeboten.

Damals in, heute out: eisverstärkte Schiffe, meist aus Russland, mit einer Pasagierkapazität von knapp 50 Leuten. (Archivbild)

Mit Schuman Reisen streicht der erste Veranstalter Polarreisen.

„Reisen zum Nord- und Südpol sind in der Tat ein ganz besonderes und faszinierendes Erlebnis. Unsere Gäste, die das mit uns erleben wollten, bedauern sehr, dass wir diese Reisen nicht mehr anbieten“, sagt Schumann in einem Interview mit der Leipziger Zeitung. Doch wer die einzigartigen, sehr sensiblen Ökosysteme erhalten wolle, müsse auf Reisen dorthin verzichten.

„Ein weiterer wichtiger Grund für unseren Rückzug sind die fehlenden positiven Auswirkungen für die Bevölkerung. Während Tourismus in vielen Ländern den Menschen vor Ort Arbeitsplätze gibt und ihre Existenz sichert, spielt das vor allem in der Antarktis keine Rolle, denn dort gibt es keine lokale Bevölkerung“, erklärt Thomas Schumann im Interview weiter.

Schumann Reisen engagiert sich nach eigenen Angaben für einen umweltverträglichen und sozial gerechten Tourismus und orientiert sich bei seinen Aktivitäten für mehr Nachhaltigkeit. Ziel von Schumann-Reisen sei es, Reisen anzubieten, die verantwortungsvoll und im Einklang mit der Natur und der Gesellschaft sind. Dabei setze das Unternehmen vor allem auf die Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase.

Thomas Schumann: „Reisen in die Arktis und Antarktis lässt sich mit unserem Engagement für einen umweltverträglichen und klimaschonenden Tourismus nicht mehr vereinbaren“. (Foto: Schumann Reisen)

Faszination der Arktis und Antarktis noch einmal sehen.

Die unberührte Natur und Abgeschiedenheit, die gigantische Eislandschaft und faszinierende Tierwelt ist der Traum vieler Menschen. Die fortschreitende globale Erwärmung ist besonderes in der Arktis deutlich sichtbar. Viele wollen die bedrohten polaren Eislandschaften und dort lebenden Tiere noch mit eigenen Augen sehen, bevor sie verschwunden sind.

An Nord- und Südpol macht sich der Klimawandel besonders deutlich bemerkbar. Die Millionen Jahre alten Eiskappen schmelzen. Laut Alfred-Wegener-Institut verschwinden pro Tonne CO₂ drei Quadratmeter des „ewigen Eises“. Bei einer Reise an die Pole verursacht ein Gast nach Berechnung des AWI im Schnitt 13 Tonnen Treibhausgas-Emissionen.

Heiner Kubny, PolarJournal

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