Chilenischer Mobilfunkanbieter stellt als erster 5G in der Antarktis bereit | Polarjournal
In Villa Las Estrellas leben im antarktischen Sommer 191 Menschen, die auf der chilenischen Antarktisstation Presidente Eduardo Frei Montalvo auf King George Island arbeiten und forschen. Foto: Mefisto29 / Wikipedia, CC BY-SA 4.0 DEED

Das chilenische Mobilfunkunternehmen Entel stellt seit Mitte März als erster Anbieter 5G-Konnektivität in der Antarktis bereit.

Villa Las Estrellas — die zivile, ganzjährige Siedlung auf der chilenischen Station Presidente Eduardo Frei Montalva auf King George Island — verfügt seit Mitte März 2024 über den modernsten Mobilfunkstandard 5G wie das Unternehmen Entel auf seiner Webseite mitteilt. Der Start von 5G in der Antarktis erfolgte im Rahmen von Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Siedlung.

«Die Einführung von 5G in der Antarktis war eine große Herausforderung, vor allem in technischer Hinsicht, und wir sind sehr stolz darauf, sagen zu können, dass wir weltweit Pioniere bei der Bereitstellung eines öffentlichen 5G-Netzes für unsere Kunden waren, vor allem in diesen Zeiten, in denen Konnektivität und Kommunikation einen enormen Beitrag zur Lebensqualität der Menschen leisten, insbesondere an geografisch so abgelegenen Orten», sagt Antonio Büchi, Geschäftsführer von Entel, in der Pressemitteilung vom 18. März. 

Für die 191 Bewohner der Siedlung (im Sommer, etwa 80 im Winter) sowie für die Bank, das Postamt, die Bibliothek, das Krankenhaus und die Kirche bedeutet das Upgrade einen Quantensprung. Die neue Mobilfunk- und Datenverbindung erleichtert nicht nur die Abläufe und das Management in den Bereichen Logistik, Transport, Kommunikation und Gesundheit, sondern auch die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bisher mussten sie sich mit 2G begnügen, das im Jahr 2005 ebenfalls von Entel bereitgestellt wurde.

Die Station Presidente Eduardo Frei Montalvo liegt auf King George Island, der größten der Südlichen Shetlandinseln nördlich der Antarktischen Halbinsel. Karte: GoogleEarth

«Wir hoffen, dass dieser wichtige Meilenstein zu erheblichen Verbesserungen der Konnektivität auf dem weißen Kontinent führen wird und eine wichtige Unterstützung für die Gemeinschaft, die in diesem Bereich arbeitet, und für die wissenschaftliche Tätigkeit, die in der Antarktis stark vertreten ist, darstellt», so Büchi.

Einer der wichtigsten Vorteile von 5G für die Menschen in Villa Las Estrellas ist sicherlich, dass sie endlich die Möglichkeit haben, sämtliche moderne Kommunikationsmittel wie beispielsweise Videochat zu nutzen, um mit ihren Familien und Freunden in Kontakt zu bleiben. Darüberhinaus können sie nun auch digitales Fernsehen nutzen.

«Die Bewohner von Villa Las Estrellas erzählten uns, wie anders es für sie ist, jetzt eine Videokonferenz zu haben, ihre Hausaufgaben mit ihren Kindern zu machen, die auf dem Festland sind, und auf diese Weise eine viel engere Verbindung zu halten», sagte Juan Carlos Muñoz, chilenischer Minister für Verkehr und Telekommunikation, der eigens für die Feierlichkeiten und die Einführung von 5G nach Villa Las Estrellas reiste.

Laut Büchi soll der Service auch den Touristen, die jedes Jahr die Station besuchen, zugute kommen. Allerdings benötigen sie dafür eine SIM-Karte des Unternehmens und ein 5G-fähiges Mobiltelefon.

Villa Las Estrellas mit Blick auf die Bucht. Foto: Jorge Benavente / Wikipedia

Entel investierte neben der Bereitstellung von 5G auch 345.000 US Dollar in die 3G- und 4G-Technologie, um die Kapazität auf der Station und somit die Erfahrung der Nutzer zu verbessern. «Heute verfügt die Antarktis über eine stabile Verbindung, genau wie jemand in Santiago», sagt Büchi. Allerdings, so merkt er an, sei das Surfen im Internet nicht dasselbe wie auf dem chilenischen Festland, da die Verbindung über Satellit erfolgt und nicht über Glasfaser.

Bis es eine Glasfaserkabelverbindung von Chile nach King George Island gibt, wird noch einige Zeit vergehen. Die chilenische Telekommunikationsaufsichtsbehörde Subtel hat telecompaper zufolge jedoch bereits im Oktober vergangenen Jahres die Finanzierung für eine Studie über die Durchführbarkeit eines Seekabels gesichert.

Julia Hager, PolarJournal

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