Russland und Indien planen gemeinsame Forschung in der Arktis | Polarjournal
Russland und Indien diskutieren über ein gemeinsames Projekt in der Arktis. Die russische Drifteis-Plattform «Severny Polyus» bietet sich für gemeinsame Projekte an. (Foto: AARI)

Aufgrund der Verschlechterung der Beziehungen zu den Ländern des „kollektiven Westens“ steht Russland vor einer wichtigen Entscheidung. Mit wem und wie soll der Hohe Norden weiterentwickelt werden? Russland steht vor einem Dilemma. Was tun, wenn traditionelle arktische Partner sich weigern mit Russland weiterzuarbeiten und deshalb neue Partner gefunden werden müssen?

Nun diskutieren Russland und Indien über ein gemeinsames Projekt in der Arktis, dessen wissenschaftliche Bedeutung laut Experten mit der Internationalen Raumstation (ISS) vergleichbar sein soll. Darüber sprach Alexander Makarov, Direktor des russischen Arktis- und Antarktis-Forschungsinstituts (AARI) nach seiner Indienreise. Russland und Indien kooperieren seit langem in der Antarktis im Rahmen eines Abkommens, das nun ausgeweitet werden könnte.

Alexander Makarov: „Eine Reihe von Arbeitstreffen mit Vertretern wissenschaftlicher Institute in Indien werde in naher Zukunft beginnen. Die russisch-indische Zusammenarbeit in der Arktis könnte eine langfristige Perspektive haben “.

Alexander Makarov: Wir haben indische Kollegen eingeladen, an der Forschung teilzunehmen, und sie waren sehr interessiert.“

In der Stadt Vasco da Gama (Goa) fanden Verhandlungen mit Vertretern des indischen Nationalen Zentrums für Polar- und Ozeanforschung statt. Laut Alexander Makarov verfügt Russland mit seiner Driftstation „Severny Polyus“ über ein leistungsstarkes Forschungsprojekt in der Arktis. Die Arbeit der Wissenschaftsteams wird durch die eisgängige Plattform und mit modernster Ausrüstung und Technologie erleichtert.

Wie Alexander Makarov erklärte, hat das Interesse indischer Wissenschaftler an der Arktis in letzter Zeit deutlich zugenommen, da der Klimawandel in der Arktis das Monsunsystem in Indien beeinflusst und dies spürbare Folgen für die Landwirtschaft mit sich bringt. Wissenschaftler haben eine Verschiebung der Saisonalität und Intensität des Monsuns und das verstärkte Auftreten von Hitzewellen festgestellt, die sich auf das Leben der indischen Bevölkerung auswirken.

Monsunregen in Indien fordert immer wieder dutzende von Toten und hinterlässt grosse Verwüstungen. (Foto: Archiv)

Das Arctic and Antarctic Research Institute (AARI) im russischen St. Petersburg ist eines der weltweit führenden wissenschaftlichen Zentren für die Erforschung der Polarregionen mit einer mehr als hundertjährigen Geschichte.

Das Nationale Zentrum für Polar- und Ozeanforschung ist eine autonome indische Forschungseinrichtung des Ministeriums für Geowissenschaften mit Sitz in der Stadt Vasco da Gama (Goa). Es ist für die Verwaltung des Antarktisprogramms der Republik verantwortlich und unterhält Indiens Antarktis-Forschungsstationen.

Heiner Kubny, PolarJournal

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