Umweltschützer fordern Auflagen für den Antarktis-Tourismus | Polarjournal
Besonders gefährdet durch den Klimawandel und das Wegschmelzen des Eises sind die Kaiserpinguine. (Foto: Heiner Kubny)

Angesichts einer Zunahme des Tourismus in der stark vom Klimawandel betroffenen Antarktis-Region fordern Umweltschutz-Organisationen ein Gegensteuern. Die Forderung richtet sich an die Teilnehmer der Konsultativ-Vertragsparteien des Antarktis-Vertrages (ATCM) zum Beginn des Treffens am vergangenen Montag im indischen Kochi, welches noch bis zum Donnerstag 30. Mai 2024 dauern wird. Bisherige internationale Bemühungen um eine bessere Regulierung des Antarktis-Tourismus sind weitgehend gescheitert.

Das dem Ministerium für Geowissenschaften unterstehende Nationale Zentrum für Polar- und Ozeanforschung (NCPOR) in Goa und das Sekretariat des Antarktisvertrags haben das Treffen organisiert, an dem über 350 Teilnehmer aus fast 40 Nationen teilnehmen.

Immer mehr Touristen besuchen die Antarktis. In der Saison 22/23 waren es über 100’000 Besucher in der kurzen Saison zwischen November und April. (Foto: Heiner Kubny)

Seit den frühen 1990er-Jahren hat der Antarktis-Tourismus laut der Weltnaturschutzunion IUCN deutlich zugenommen. So habe sich die Zahl ankommender Gäste zwischen 1992 und 2020 auf 75’000 verzehnfacht. In den Jahren 2022 bis 2023 seien es gar knapp 105’000 Touristen gewesen.

Claire Christian, die Leiterin der Antarctic and Southern Ocean Coalition ASOC, der einzigen Nichtregierungsorganisation, die am Treffen zugelassen ist, meint dazu: „Die offizielle Regulierung des Tourismus wurde schon zu lange hinausgezögert. Die bevorstehende ATCM bietet jedoch eine entscheidende Gelegenheit, endlich durchsetzbare Regelungen zu verabschieden und Auswirkungen auf die biologische Vielfalt der Antarktis zu verhindern.”

Mehr Touristen und Forschungsstationen bedeuteten auch mehr in die Gewässer gelangendes Mikroplastik, sowie Abwässer, beklagt die ASOC. Generell reissen die schlimmen Nachrichten zum Zustand der Antarktis nicht ab. Das Meereis schmilzt regional rasant, Fischbestände sind massiv überbeansprucht, kürzlich wurde zudem die Vogelgrippe erstmals auch dort nachgewiesen.

Claire Christian, Geschäftsführerin der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC): „Die Antarktis-Konferenz bietet eine entscheidende Gelegenheit, endlich durchsetzbare Vorschriften zu erlassen und Auswirkungen auf die biologische Vielfalt der Antarktis zu verhindern“. (Foto: Wilson Center)

An der Antarktis-Konferenz in Indien nehmen jene Staaten teil, die den Antarktis-Vertrag ATCM unterzeichnet und ratifiziert haben. Er sieht unter anderem eine friedliche Nutzung des Kontinents und das Verbot militärischer Aktivitäten vor. Schon seit Jahren diskutieren die Vertragsstaaten an den Treffen auch über eine strengere Kontrolle menschlicher Aktivitäten, besonders im Bereich des Tourismus. Die diesjährige 46. Ausgabe des Treffens steht nun im Zeichen dieser Forderung.

Heiner Kubny, PolarJournal

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