Bodø2024: Halbzeit für die erste arktische Kulturhauptstadt Europas | Polarjournal
Bodøs Wandel begann mit der Eröffnung der neuen Konzerthalle (Bildmitte) und wird jetzt belohnt mit dem Titel Kulturhauptstadt Europas. Bodø2024 ist das größte Kulturevent in Norwegen seit mehr als zehn Jahren und das größte in Nordnorwegen überhaupt. Bodø teilt sich den Titel mit Bad Ischl in Österreich und Tartu in Estland. Foto: Dan Mariner / Bodø2024

Das norwegische Bodø in der Provinz Nordland lebte einst vom Stockfischexport und ist heute die erste Stadt in der Arktis, die den Titel «Kulturhauptstadt Europas» erhalten hat. Unter den mehr als 1.000 Veranstaltungen in 2024 zählen die bevorstehenden Mittsommer-Events zu den besonderen Highlights.

Jede der bisherigen Kulturhauptstädte Europas hat einen einzigartigen Charakter und unvergleichliches Flair, aber Bodø — die erste Kulturhauptstadt Europas nördlich des Polarkreises — sticht mit seiner Vielfalt besonders hervor. Es ist nicht nur das breit gefächerte kulturelle Programm, das kaum Wünsche offen lassen dürfte, sondern auch seine Lage, die Besucher im Sommer die Mitternachtssonne und im Winter Polarlichter erleben lässt — und all das eingebettet in eine atemberaubend schöne Landschaft, die zu Wanderungen einlädt.

«Die längste Party der Welt, sowohl hinsichtlich der Dauer als auch der Fläche» — so beschreibt der Veranstalter Bodø2024. Und das ist nicht zu weit hergeholt: Mehr als 1.000 Veranstaltungen finden seit Anfang Februar und noch bis Ende des Jahres nicht nur in Bodø, sondern in der gesamten Region Nordland statt, die sich von Süd nach Nord über rund 500 Kilometer erstreckt. «Es wird Musik, Tanz, Theater, Spiele, Essen und Trinken, Kunstausstellungen, Sport, Outdoor-Aktivitäten und vieles mehr geben. Alles wird vor der spektakulären Kulisse unserer wilden und ungezähmten Natur präsentiert», heißt es in der Broschüre. Die Veranstalter erhoffen sich mehr als 500.000 Besucher bis zum Jahresende.

Von klassischer Musik über PopUp-Restaurants im Freien, Sámi-Geschichten und Erzählungen über den Kalten Krieg bis zum 24-Stunden-Lauf unter der Mitternachtssonne ist wirklich für jeden etwas dabei. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos.

Das Programm ist unterteilt in fünf Jahreszeiten, die dem Lauf der Sonne folgen. Nach dem Beginn des Kulturhauptstadtjahres im Februar mit «Here comes the sun», gefolgt von «Spring optimism» steht nun die «Midsummer madness» unmittelbar bevor. 

Eingeläutet wird die dritte Jahreszeit mit dem «Midsummer mystery» Event am 22. Juni, bei dem es Spiele, Feuer, Theater, Essen und jede Menge Spaß im Freien geben wird. Aber der Sommer bringt noch viele weitere Highlights wie ein Konzert von Brian Adams und mehrere Festivals für jung und alt.

Ab September bringen dann die «Autumn storms» neue Abwechslung bevor das Jahr mit «Arctic light» und neuen Perspektiven und Farben zu Ende geht. 

Die Sámi-Kultur steht im Mittelpunkt von Bodø2024. Foto: David Engmo / Bodø2024

Eine ganz besondere Bereicherung stellt das vielfältige Programm zur Kultur der Sámi dar, die im Mittelpunkt von Bodø2024 steht. «Wir sind eine Partnerschaft mit dem samischen Parlament eingegangen und werden fast 30 Millionen NOK [rund 2,6 Millionen Euro, Anm. d. Red.] allein für samische Kulturprojekte ausgeben», so die Information auf der Webseite. «Im Moment sind die Rechte und die Geschichte der indigenen Völker ein heißes politisches Thema, so dass es eine erlösende und versöhnende Wirkung hat, wenn eine europäische Kulturhauptstadt hierauf entscheidenden Wert legt.» 

Wer mag, kann mit den Rentieren der Sámi auf Tuchfühlung gehen, Konzertaufführungen mit Musik, Bildern und Geschichten erleben, ihre Kunst bestaunen, mit ihnen durch samische Landschaften wandern oder bei ihnen im Zelt übernachten und in ihre Kultur eintauchen.

Eröffnung der «yoUNG2024» — ein Angebot mit vielen Facetten für junge Menschen. Foto: Kasper Holgersen / Bodø2024

Ein weiterer Fokus liegt auf Angeboten für die junge Generation mit dem eigens erstellten Programm «yoUNG2024», was der ausschlaggebende Grund für die Vergabe des Titels an Bodø war. Für die 13- bis 25-Jährigen gibt es das ganze Jahr über Festivals, Konzerte, Gaming Events, Street Art, Sport, Ausstellungen, Debatten und noch vieles mehr.

Bis vor zehn Jahren war Bodø noch Stützpunkt der norwegischen Luftwaffe und erfuhr erst mit dessen Verlegung und der Fertigstellung der neuen Konzerthalle und der Bibliothek einen Identitätswandel, der die Ernennung zur Kulturhauptstadt überhaupt erst ermöglichte. Seitdem entwickelt sich Bodø immer mehr weg vom bloßen Ausgangspunkt zu den Lofoten und sollte spätestens jetzt alleinig eine Reise wert sein.

«Eine Kulturhauptstadt, die dich besser kennen lernen möchte. 

Eine Kulturhauptstadt, die möchte, dass du die Menschen kennenlernst, die dort leben.

Du kommst doch, oder?»

Video über den Eröffnungstag Anfang Februar. Bodø2024

Julia Hager, Polar Journal AG

Link zu Bodø2024: https://www.bodo2024.no/

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