‘Toasty’, ’Country mice’, ‘Greenout’ — Studie enthüllt «antarktische Sprache» | Polarjournal
Die ‘Weather Guesser’, oder Meteorologen, bei der Arbeit an der Darwin Automatic Weather Station nahe der neuseeländischen Scott Base. Gleichzeitig zählen sie auch zu den ‘Country mice’. Foto: Helen Thompson, ©Antarctica New Zealand Pictorial Collection (K0020809_54) (2008-2009) , CC BY-NC-ND 3.0 NZ

Bei einem Aufenthalt auf englischsprachigen Antarktisstationen kann und sollte man seinen Wortschatz um einige Begriffe erweitern, wenn man «dazugehören» möchte. Die Antarktis-eigene Sprache und ihre Entwicklung war für eine neuseeländische Forscherin das perfekte Thema für ihre Doktorarbeit.

Nachdem sie eine Weile ‘On The Ice’ verbracht haben, leidet wahrscheinlich die Mehrheit der ‘Beaker’ unter einem ‘Greenout’ bei ihrer Rückkehr, das ‘Fidlets’ oder ‘Fingies’ zuvor wohl noch nie erfahren haben. *

Ähm… Wie bitte??

Es sind diese und noch viele weitere Wörter und Ausdrücke, die Neulingen — eben jenen ‘Fidlets’ auf den britischen und ‘Fingies’ auf den amerikanischen, australischen und neuseeländischen Forschungsstationen — begegnen und erst einmal Fragezeichen in ihren Köpfen hervorrufen.

In ihrer Doktorarbeit untersuchte Dr. Steph Kaefer von der University of Canterbury dieses umgangssprachliche antarktische Englisch, das ausschließlich in englischsprachigen Forschungsstationen verwendet wird. Sie konzentrierte sich dabei auf die Stationen der USA, Großbritanniens und Neuseelands.

Im Jahr 2019 verbrachte sie insgesamt drei Wochen auf drei englischsprachigen Forschungsstationen, um die Verwendung der speziellen Sprache zu beobachten und Daten von den dort Arbeitenden zu erheben. Sie wollte herausfinden, wie die von ihr gesammelten Wörter über die Jahrzehnte entstanden sind und wie sie sich weiterentwickelt haben.

«Wenn wir Wörter kreieren, machen wir sie oft transparent — vor allem in Situationen, in denen man viele Informationen einfach weitergeben muss und möchte, dass die Leute sie verstehen, ohne viele Hintergrundinformationen zu benötigen. Wenn man aber — ob absichtlich oder unabsichtlich — eine Gemeinschaft schafft und nicht will, dass die Leute sie verstehen, macht man die Wörter vielleicht undurchsichtiger, so dass die Leute sie nicht verstehen können, wenn sie nicht Teil dieser Gruppe sind», sagte Dr. Steph Kaefer in einer Pressemitteilung der Universität.

Linguistische Theorien besagen, so Dr. Kaefer, dass sich insbesondere in einer isolierten Umgebung Änderungen schneller vollziehen. Die Antarktisstationen scheinen jedoch auch in dieser Hinsicht besonders zu sein. Neue Slang-Wörter kamen durch jüngere Generationen nicht hinzu, sodass sich der Wortschatz im Laufe der Zeit entgegen ihrer Erwartung nicht veränderte.

Beispiele antarktischer Slang-Ausdrücke. Screenshot: Cool Antarctica

Stattdessen halten sich Ausdrücke wie ‘toasty’ — am Ende der Überwinterung einem Burnout nahe sein —, ‘Boondoggle’ — ein Vergnügungsausflug während eines Antarktisaufenthalts —, ‘Country mice’ — Wissenschaftler und Assistenten, die im Feld arbeiten — sowie deren Äquivalente ‘City mice’ und ‘House mice’ im Antarktis-eigenen Wortschatz. Einige der Ausdrücke klingen niedlich oder humorig, während andere eher derber Natur sind. Sie entstammen oft dem Militär, der Marine oder kommen aus der Bergsteigerszene, werden aber auch vor Ort neu geprägt.

«Die von mir untersuchte Gemeinschaft unterscheidet sich […] von anderen isolierten Gemeinschaften dadurch, dass sie nicht nur isoliert, sondern auch eng und extrem ist, was als ‘ICE‘-Umgebung [‘ICE’ steht für isolated, confined, extreme — isoliert, beengt, extrem; Anm. d. Red.] bekannt ist und in der Literatur als eine Art von Umgebung, aber nicht als eine Gemeinschaft bekannt ist», erklärt Dr. Kaefer.

Sie ist die erste, die diese Bedingungen und deren Einfluss auf die Sprache untersucht und «festgestellt hat, dass sie wahrscheinlich ungewöhnliche Auswirkungen auf die Sprache und diese Gemeinschaft haben».

* ’On The Ice’ — in der Antarktis | ‘Beaker’ — Wissenschaftler | ‘Greenout’ — Das Gefühl, das man empfindet, wenn man nach einem längeren Aufenthalt auf dem Eis wieder grüne Dinge (Pflanzen) sieht und riecht. | ‘Fidlet’ oder ‘Fingy’ — Neuling in der Antarktis

Mehr antarktischen Slang kann man auf Cool Antarctica finden.

Julia Hager, Polar Journal AG

Link zur Studie: Kaefer, Stephanie 2023. Antarctic English lexis : a mixed-methods investigation of its development and formation. https://doi.org/10.26021/15145

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