Warum findet man plötzlich Lachse im äußersten Nordwesten Kanadas? | Polarjournal
Frankie Dillon, Bewohner der Nordwest-Territorien, fängt 2023 einen Keta-Lachs im Big Fish River in der Nähe von Aklavik. Bild: Colin Gallagher / DFO

Die Ankunft von Lachsen beunruhigt die lokale Bevölkerung, die normalerweise an den Fang von Saiblingen gewöhnt ist. Anwohner der Küsten und Flussufer sowie Wissenschaftler arbeiten Hand in Hand, um den Hintergrund dieser Veränderungen zu verstehen. Sie entdecken, dass die Lachse durch die offenen Gewässer des Bering-, Tschuktschen- und Beaufortmeers ziehen.

Es ist warm, es gibt kein Eis – und sie kommen! Rotlachse, Pazifiklachse und viele andere, wie z. B. Buckellachse, überqueren auf ihrem Weg in die kanadische Arktis Landzungen, Kaps, nein, besser gesagt Halbinseln. „Studien zur Fischwanderung zeigen, dass viele Arten durch die Beringstraße in die Arktis zurückkehren, aber wir untersuchen, wie die Lachse dann nach Osten wandern können“, erklärt Karen Dunmall, Biologin bei Fisheries and Oceans Canada. Ihr Forschungsteam hat sich mit Berufsfischern aus den Nordwest-Territorien und Nunavut zusammengeschlossen und das Arctic Salmon Project ins Leben gerufen. Am 5. Juni veröffentlichten sie gemeinsam eine Studie in der Zeitschrift Global Change Biology. Darin wird gezeigt, dass diese Fische von der gleichzeitigen Öffnung und Erwärmung verschiedener Meeresgebiete profitieren, um das Mackenzie-Delta zu erreichen oder zu passieren.

Zwei Meere trennen diesen Fluss von der Beringstraße: die Tschuktschensee und die Beaufortsee. „Sie brauchen einen Korridor mit warmem Wasser“, erklärte uns Joseph Langan von der Universität von Alaska Fairbanks, Mitautor der Studie. Wenn das Eis bricht und im Frühjahr schmilzt, wirkt die Sonne auf das offene Wasser ein. Sie erwärmt die Tschuktschensee und das gleiche gilt für die Beaufortsee. Je früher dies geschieht, desto stärker kann die Temperatur steigen. Wenn sich beide im späten Frühjahr ausreichend erwärmt haben, wandern die Lachse entlang des nördlichen Amerikas nach Osten.

Der Mackenzie River entwässert ein riesiges Wassereinzugsgebiet in die Beaufortsee. In Rot die Gemeinden des Artcic Salmon Netzwerks. Fotomontage: Dunmall, K.M. and al. (2024) / Google Maps / PolarJournal

Die Menschen im Nordwesten Kanadas fischen normalerweise Seesaiblinge und Bachsaiblinge mit Netzen, aber seit den 2000er Jahren haben sie den Anstieg der Fänge von fünf neuen Lachsarten dokumentiert. „Ohne die Ratschläge und einige Richtlinien der örtlichen Gemeinden wäre das Projekt nicht zustande gekommen. Wir hätten nie erfahren, dass die Lachse in die westliche kanadische Arktis gelangt sind. Diese Fische sind greifbare Zeichen der Veränderungen“, sagt Karen Dunmall, „Die Gemeinden haben sich gefragt, warum es Jahre mit mehr oder weniger Lachsen gibt, und wir haben gemeinsam daran gearbeitet, diese Frage zu beantworten.“

„Die Ergebnisse der Klimaforscher zeigen, dass das Eis weiterhin früher schmelzen und sich später im Jahr wieder aufbauen wird, mit Schwankungen von Jahr zu Jahr“, stellt Joseph Langan fest. In den Netzen der Berufsfischer landet eine immer höhere Zahl von Lachsen, von der erwartet wird, dass sie weiter ansteigen wird. Eine wachsende Zahl von Gemeinden entdeckt diese Arten zum ersten Mal. „Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit den Menschen in der kanadischen Arktis zusammen, um ihre Fragen zu beantworten, die sich aus diesen Veränderungen ergeben“, fügt Karen Dunmall hinzu.

Können die Fische sich an Ort und Stelle fortpflanzen? „Der Winter ist wahrscheinlich zu kalt. Die Flüsse frieren bis zum Grund des Flussbettes zu, so dass sie vielleicht nicht das Süßwasser oder den Lebensraum finden, um ihren Lebenszyklus zu vollenden“, meint Karen Dunmall und fügt an, dass sie in dieser Richtung weiter forschen müssen. „‚Was wären die Folgen für die Saiblinge‘, fragten sie uns auch“, sagt die Forscherin.

Wer diese Fische essen möchte, steht vor einer weiteren wichtigen Frage: Wie kann man Tisch und Gaumen verwöhnen? Das Team hat diese Frage beantwortet und ein Kochbuch mit Rezepten herausgegeben: Ob Eintopf oder Quiche – für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Camille Lin, Polar Journal AG

Kochbuch: L. Christie, K. Dunmall, M. Bilous, D. McNicholl and J. Reist. 2020, Ein Kochbuch für arktische Lachse, Fisheries and Oceans Canada.

Link zur Studie: Dunmall, K.M., Langan, J.A., Cunningham, C.J., Reist, J.D., Melling, H., Aklavik Hunters and Trappers Committee, Olokhaktomiut Hunters and Trappers Committee, Paulatuk Hunters and Trappers Committee, Sachs Harbour Hunters and Trappers Committee, Tuktoyaktuk Hunters and Trappers Committee, Kugluktuk Hunters and Trappers Organization, 2024. Pacific salmon in the Canadian Arctic highlight a range-expansion pathway for sub-Arctic fishes. Global Change Biology 30, e17353. https://doi.org/10.1111/gcb.17353.

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