ArcNet: Netzwerk gegen den Verlust der biologischen Vielfalt in der Arktis | Polarjournal
Das arktische Nahrungsnetz: Meeressäuger, Seevögel, Fische, marine Wirbellose und Mikroorganismen sowie die lokale Bevölkerung sind eng miteinander verknüpft und voneinander abhängig. Illustration: WWF Global Arctic Programme

Seit diesem Frühjahr steht mit ArcNet ein Rahmenwerk zur Verfügung, dass den Schutz des Arktischen Ozeans ganzheitlich betrachtet und sämtliche Akteure in der Arktis bei der Ausweisung von Schutzgebieten mit einbezieht. ArcNet entstand auf Initiative des WWF.

«30 x 30» lautet das ehrgeizige Ziel der Vereinten Nationen und bedeutet, dass bis zum Jahr 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Ozeanflächen der Erde unter Schutz gestellt werden sollen. Fast 200 Staaten, mit Ausnahme der USA und dem Vatikan, unterzeichneten Ende 2022 die entsprechende Vereinbarung.

In der Arktis ist die Dringlichkeit für die Ausweisung von Schutzgebieten besonders hoch: Das Meereis geht zurück, die Temperaturen steigen mindestens doppelt so schnell wie die globale Durchschnittstemperatur und die zunehmende industrielle Entwicklung bedroht die fragilen Lebensräume.

Daher initiierte der WWF im Jahr 2017 die Erstellung von ArcNet — einem Netzwerk von prioritären Gebieten für den Meeresschutz im gesamten Arktischen Ozean und den angrenzenden Meeren. Die Veränderung der arktischen Ökosysteme ist beispiellos und gefährdet die indigenen Völker ebenso wie «die physischen und ökologischen Dienstleistungen, die für das Lebenserhaltungssystem der Erde entscheidend sind», heißt es in der im April in Ocean Sustainability erschienen Studie, die die Umsetzung des Rahmenwerks ArcNet beschreibt.

Seit April diesen Jahres ist ArcNet für Entscheidungsträger verfügbar und anwendbar. Es umfasst 83 marine Gebiete, sogenannte Priority Areas for Conservation (PACs), die mit einer Gesamtfläche von etwa 5,9 Quadratkilometern 31 Prozent des Arktischen Ozeans abdecken.

Die ArcNet-Karte zeigt die Gebiete, die vorrangig von Regierungen und Gemeinden im gesamten Arktischen Ozean erhalten und geschützt werden müssen. Karte: WWF

ArcNet ist jedoch viel mehr als nur eine Karte, die schutzwürdige Gebiete aufzeigt. Es stellt darüberhinaus eine umfangreiche Datenbank mit räumlichen Informationen über die Meereslebewesen sowie spezielle Analyse-Werkzeuge für die Meeresplanung und -verwaltung zur Verfügung, um für jedes Gebiet maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen erstellen zu können.

«Die Regierungen müssen schnell handeln, um die Verpflichtungen zum Schutz und zur Erhaltung der Arktis in die Tat umzusetzen. ArcNet ist bereit, die Kluft zwischen Rhetorik und Umsetzung zu überbrücken und bietet ein wichtiges Instrument, um Worte in sinnvolle Veränderungen zu übersetzen», sagte Dr. Martin Sommerkorn, Leiter der Naturschutzabteilung des WWF Global Arctic Programme und Co-Autor der Studie, in einer Pressemitteilung des WWF.

Für die erfolgreiche Umsetzung von ArcNet fordert der WWF die Beteiligung aller Akteure  in der Arktis entsprechend ihrer Expertise und Verantwortlichkeit: Die arktischen Regierungen, der Arctic Council, Wissenschaftler, indigene Wissensträger und die lokale Bevölkerung, Experten für marines Management und Meeresschutz sowie die marine Industrie. 

«ArcNet verfolgt einen transformativen Ansatz, bei dem ein umfassendes Engagement und eine noch nie dagewesene Zusammenarbeit die Umsetzung vorantreiben. Durch die Bereitstellung einer transparenten analytischen Plattform und kooperativer Werkzeuge ebnen wir den Weg zur Erreichung der Schutzziele, die der Arktische Ozean braucht – von der lokalen bis zur internationalen Ebene», So Dr. Sommerkorn.

Für die Zukunft der Arktis ist das Netzwerk angesichts der Herausforderungen, mit denen der Arktische Ozean konfrontiert ist, von großer Bedeutung, indem es dazu beiträgt, die Arktis widerstandsfähiger und nachhaltiger zu machen.

Julia Hager, Polar Journal AG

Link zur Studie: James, T.D., Sommerkorn, M., Solovyev, B. et al. Whole-ocean network design and implementation pathway for Arctic marine conservation. npj Ocean Sustain 3, 25 (2024). https://doi.org/10.1038/s44183-024-00047-9

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