Mondbasis-Pläne der NASA erhalten Auftrieb dank Mine in Grönland | Polarjournal
Das Artemis-Programm der NASA verfolgt das Ziel, bis 2040 eine permanente Basis auf dem Mond zu errichten. „Ich hatte nicht gewusst, wie rasch diese Pläne umgesetzt werden sollten”, sagt Bent Olsvig Jensen, der der NASA jetzt Anorthosit verkauft. Foto: Wikimedia Commons
Das Artemis-Programm der NASA verfolgt das Ziel, bis 2040 eine permanente Basis auf dem Mond zu errichten. „Ich hatte nicht gewusst, wie rasch diese Pläne umgesetzt werden sollten”, sagt Bent Olsvig Jensen, der der NASA jetzt Anorthosit verkauft. Foto: Wikimedia Commons

Um auf dem Mond etwas zu bauen, wird ein Mineral benötigt, das in Grönland gefunden wird. Daher kaufen die NASA, die ESA und Universitäten auf der ganzen Welt immer mehr davon. Lumina, das Bergbauunternehmen, das es abbaut, hofft nun, dass die Nachfrage nach dem Mineral dank der Mondforschung ansteigt.

Wenn man den Mond in einer dunklen Nacht (oder auf dem Foto oben) betrachtet, erkennt man zwei verschiedene Grautöne.

Der dunkle Fleck ist die so genannte ‚lunare Maria‘, ein Überbleibsel alter Lavaströme, während der helle Fleck, der 83 Prozent der Mondoberfläche bedeckt, das lunare Hochland ist.

Entgegen der landläufigen Meinung besteht dieses Hochland nicht aus grünem Käse, sondern aus einem chemischen Verbundstoff, der als Anorthosit bekannt ist. Bis vor kurzem war dies nur ein obskurer Fun-Fact, aber seit die NASA 2017 ihr Artemis-Programm gestartet hat, ein Programm mit dem Ziel, eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond zu etablieren, ist das Interesse an Anorthosit gestiegen.

Doch was hat das mit Grönland zu tun?

Das liegt an den Mondbodenproben, die Neil Armstrong und das Apollo-Programm vor etwa 55 Jahren zur Erde brachten. Die Analyse dieser Proben, 382 Kilogramm Mondgestein und -bodenproben, zeigt, dass kein anderes bekanntes Anorthositvorkommen dem Mondanorthosit ähnlicher ist als das, das in einer Mine im Kangerlussuaq Fjord in Westgrönland abgebaut wird.

„Anders als auf dem Mond enthält jeder Anorthosit auf der Erde eine gewisse Menge an Sauerstoff, und die Zusammensetzung des Minerals variiert je nachdem, wo auf der Erde man es findet“, erklärt Bent Olsvig Jensen, Geschäftsführer von Lumina, dem Betreiber der Kangerlussuaq-Mine, gegenüber Polar Journal AG.

„Anorthosit wird auch in Kanada, Norwegen und Finnland abgebaut, aber die ESA [the European Space Agency] hat von all diesen Orten Proben entnommen und ist zum Schluss gekommen, dass unser Anorthosit dem Mond am ähnlichsten ist. Deshalb haben wir eine Zusammenarbeit mit ihnen begonnen“, fügt Bent Olsvig Jensen an.

Die Lumina-Mine befindet sich im langgestreckten Kangerlussuaq-Fjord in Westgrönland. Der gewaltige beigefarbene Haufen in der Mitte des Fotos ist Anorthosit Foto: Lumina / Europäische Weltraumorganisation - ESA
Die Lumina-Mine befindet sich im langgestreckten Kangerlussuaq-Fjord in Westgrönland. Der gewaltige beigefarbene Haufen in der Mitte des Fotos ist Anorthosit Foto: Lumina / Europäische Weltraumorganisation – ESA

Verkauft zum 100-fachen des Preises

Ursprünglich begann Lumina mit dem Abbau von Anorthosit aus Gründen, die nichts mit dem Mond zu tun hatten.

Ihr Geschäftsmodell, erklärt Bent Olsvig Jensen, basiert auf ihrem Nutzen für den globalen Übergang zu nachhaltiger Energie. Einige Materialien, wie z.B. Glasfasern, können aus Anorthosit hergestellt werden, statt aus weniger nachhaltigen Alternativen.

Doch als sie 2018 begannen, Anorthosit an Kunden in aller Welt zu verkaufen, entdeckte Lumina, dass es mit hohen Gewinnspannen weiterverkauft wurde. Die neuen Preise waren teilweise bis zu 100 Mal höher als das, wofür Lumina ihr Anorthosit zuerst verkauft hatte, und der Käufer war in der Regel die NASA.

„Wir wären schlechte Geschäftsleute gewesen, wenn wir nicht beschlossen hätten, den Zwischenhändler auszuschalten“, meint Bent Olsvig Jensen.

Und das taten sie auch.

Zunächst begannen sie um 2021 mit dem Verkauf an einzelne Forschende, die sich direkt an sie wandten, und 2023 schlossen sie einen Vertrag mit der ESA über die regelmäßige Lieferung von Anorthosit. Derzeit laufen Verhandlungen mit der NASA über eine ähnliche Vereinbarung.

Die ESA, die NASA und eine Reihe verschiedener Universitäten arbeiten gemeinsam an dem Ziel, eine Basis auf dem Mond zu errichten, und dabei wird Anorthosit für eine Reihe verschiedener Forschungsprojekte benötigt.

Wie Bent Olsvig Jensen verrät, arbeitet die ESA beispielsweise an einem Projekt in Köln, wo eine 1:1-Version einer möglichen Mondbasis gebaut werden soll. Das gesamte Anorthosit für dieses Projekt wird aus Grönland geliefert.

Haufen von Anorthosit, die in der Mine Lumina gelagert werden. Foto: ESA
Haufen von Anorthosit, die in der Mine Lumina gelagert werden. Foto: Lumina / Europäische Weltraumorganisation – ESA

Die Hoffnung, von lunaren Methoden zu lernen

Lumina hat eine Lizenz zum Abbau von 285’000 Tonnen Anorthosit pro Jahr, doch nur ein winziger Bruchteil davon geht derzeit an Projekte im Zusammenhang mit dem Mond. Es ist immer noch ein Nischenbereich, erklärt Bent Olsvig Jensen.

Die Gründe, warum sie immer noch Zeit und Energie in die Mond-Kooperationen investieren, sind eher langfristiger Natur.

„Wenn eine Mondbasis gebaut werden soll, müssen Bauarbeiten auf dem Mond durchgeführt werden. Alle Materialien, die für diese Arbeiten benötigt werden, können nicht mit Raketen dorthin gebracht werden, sondern müssen aus Mineralien hergestellt werden, die dort bereits vorhanden sind. Und das häufigste Mondmineral ist Anorthosit“, sagt er

In diesem Sinne setzt Lumina auf den Mond. Nicht, weil sie hoffen, einen Beitrag zu den Bauarbeiten zu leisten – es gibt genügend Anorthosit auf dem Mond – und auch nicht, weil sie hoffen, viel Geld mit der Mondforschung zu verdienen.

Stattdessen möchte das grönländische Bergbauunternehmen, dass die Bauweise auf dem Mond so billig wird, dass sie auch auf der Erde angewendet werden kann.

„Wenn die NASA und die ESA einen effektiven Weg finden, Anorthosit für Zement oder andere Baumaterialien zu verwenden, könnte es auch hier auf der Erde plötzlich ein viel wertvolleres Material werden. Das ist es, was wir uns erhoffen“, offenbart Bent Olsvig Jensen. Das Artemis-Programm der NASA hat das Ziel, vor 2040 eine permanente Basis auf dem Mond zu errichten.

„Mir war nicht klar, wie rasch diese Pläne umgesetzt werden sollten“, meint Bent Olsvig Jensen, der jetzt „sein“ Anorthosit an die NASA verkauft.

Ole Ellekrog, Polar Journal AG

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