Treffen des Arktisrates endet ohne gemeinsame Erklärung | Polarjournal
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Photo: Jouni Porsanger / Ministry for Foreign Affairs of Finland

Die Treffen der Arktisanrainerstaaten, zusammengefasst im Arktisrat, waren bisher verschont geblieben von der Weltpolitik. Seit beinahe 25 Jahren hatten sich die Staaten am Ende ihrer Treffen auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt und so zumindest in dieser Region Einigkeit und Zusammenarbeit gezeigt. Doch nun hat das diesjährige Treffen im finnischen Rovaniemi mit einem Eklat geendet: Statt einer echten und richtungsweisenden Absichtserklärung über die Zukunft der Arktis wurde eine schwache Aussage ohne Inhalt vorgelegt. Wer die Schuld dafür trägt, ist in den Augen vieler Experten klar.

Das diesjährige Treffen der Vertreter der acht arktischen Anrainerstaaten, dem Arktisrat, fand im finnischen Rovaniemi statt. Der Anlass, der alle zwei Jahre durchgeführt wird, steht seit längerem im Zeichen des Klimawandels, der in der Arktis stärker als irgendwo sonst auf der Welt gefühlt. Unter dem Vorsitz Finnlands hatten sich die Aussenminister Kanadas, Norwegens, Dänemarks, Schwedens, Russlands, Islands und der USA getroffen, um die kommenden Herausforderungen zu besprechen und eine gemeinsame Richtung festzulegen, wie diesen Herausforderungen entgegengetreten werden sollte. Der Klimawandel stand dabei besonders im Zentrum. Timo Soini, der finnische Aussenminister und Vorsitzende des Rates hatte ihn in seiner Rede besonders hervorgehoben. «Unser Treffen hob die Notwendigkeit nationaler Anstrengungen und Zusammenarbeit zur Verminderung von Verschmutzung, Emissionen und der Stärkung der Artenvielfalt hervor…» hatte er unter anderem gesagt. Doch in der Rede wurde auch klar, dass nicht alle Anwesenden dieselbe Meinung zum Thema Klimawandel hatten. Mehrfach verwendete Soini den Ausdruck «Die meisten von uns…», ohne jedoch konkret einen Namen zu nennen. «Eine Mehrheit von uns betrachtet den Klimawandel als die fundamentale Herausforderung für die Arktis und anerkennen die Notwendigkeit, Massnahmen zu dessen Eindämmung und Anpassungen zu ergreifen und die Widerstandsfähigkeit zu stärken», erklärte Timo Soini in seiner Rede.

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Mit Finnland als Vorsitzenden hatten die Arktisratsvertreter verschiedene Themen über die Zukunft der arktischen Nationen besprochen. Eine abschliessende Aktionserklärung fiel jedoch durch den Widerstand eines Landes aus. Bild: Jouni Porsanger / finnisches Aussensministerium

Vielen Experten ist klar, wer die erwartete Abschlusserklärung des Arktisrates blockiert hatte, so dass zum Schluss des Treffens nur eine unspezifische Aussage des Rates veröffentlicht wurde. In dieser bekräftigen die Arktisstaaten lediglich ihr «Engagement für das Wohlergehen der Bewohner der Arktis, für eine nachhaltige Entwicklung und für den Schutz der arktischen Umwelt». Der Begriff des Klimawandels wurde komplett weggelassen. Malte Humpert, Gründer von The Arctic Institute, einer Informationsplattform für die Arktis, meinte dazu: «Die Politik der Trump Administration hat nun zweifelsfrei die Arktis erreicht und präsentiert eine ernsthafte Herausforderung für die kooperative Natur und Arbeit des Arktisrates.»  Weiter erklärt er, dass «anstatt umsetzbarer Konsenserklärungen ist der Arktisrat jetzt klar gespalten, wie die Erklärung des finnischen Vorsitzenden gezeigt hat. Die Ablehnung des Klimawandels durch die Trump-Regierung hat dieses Ministertreffen direkt beeinflusst und zu dieser Erklärung geführt.» Auch in vielen Medien in den USA und weltweit wird den USA und besonders Aussenminister Mike Pompeo und Präsident Trump die Hauptschuld gegeben. Das Aussenministerium weist jedoch jede Schuld von sich und erklärt, dass das Treffen «tatsächlich einen sehr, sehr positiven Abschluss erreicht hat». Der einzige Unterschied der ursprünglichen gemeinsamen Erklärung und der Abschlussaussage sei die Länge gewesen. Auch die Präsidentin und Geschäftleiterin von The Arctic Institute, Dr. Victoria Herrmann, meinte « Die vorsätzliche Vernachlässigung des Klimawandels durch die Regierung Trump wirkt sich auf das Leben der nördlichsten Bürger Amerikas aus und ist eine viel grössere Bedrohung für unsere nationalen Interessen als die Ambitionen Chinas und Russlands in der Region zusammen.» Ihrer Meinung nach werden die übrigen Staaten sich den Auswirkungen des Klimawandels widmen, die Zusammenarbeit ausbauen und Ressourcen zum Schutz der arktischen Bevölkerung bereitstellen.

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Mehrere Millionen Menschen leben in der Arktis, meist in schwer zugänglichen Regionen. Der Klimawandel ist für diese in ihren Traditionen tief verwurzelten Menschen die grösste Herausforderung, was auch von den meisten Regierungen mittlerweile anerkannt worden ist. Bild: Michael Wenger