Der Weltklimarat, IPCC, hat seit 1988 die wissenschaftlichen Aspekte der Umweltveränderungen zusammengefasst und in Berichten den Entscheidungsträgern und der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht. Doch der Rat veröffentlicht nicht nur alle ca. 10 Jahre seinen Gesamtbericht, sondern nun auch Sonderberichte zu bestimmten Bereichen. In diesem Jahr wurden bereits 2 Sonderberichte zu den Themen Klimawandel und Treibhausgase veröffentlicht. Nun hat in Monaco die IPCC ihren dritten Bericht veröffentlicht. Und auch sie drängt auf eine rasche Umsetzung von Massnahmen zur Reduktion der Erwärmung.

Der Bericht ruft zu dringenden, zeitnahen und vor allem koordinierten Massnahmen auf, um die in ihrer Art beispiellosen und dauerhaften Veränderungen in den Ozeanen und in den polaren und hochalpinen Regionen zu bewältigen. Aber er zeichnet nicht einfach ein düsteres Untergangsszenario, sondern hebt bewusst die Vorteile einer nachhaltigen Entwicklung hervor, indem er sie gegen die Nachteile eines weiteren Hinauszögerns und Verspäten von Massnahmen hält. Die aus dem Letzteren entstehenden Risiken und Kosten würden um ein Vielfaches höher sein als die Entwicklung und Umsetzung von Schutz- und Reduktionsmassnahmen. Denn in den von den Ozeanen und der Kryosphäre direkt beeinflussten Regionen leben mehr als 1.3 Milliarden Menschen und die Erde hat bereits die 1°C-Marke bei der Erderwärmung in nur knapp 200 Jahren im Vergleich zum vorindustriellen Niveau überschritten. Daher sind dringende Umsetzungen von treibhausgas-reduzierende Massnahmen notwendig, um die Veränderungen in den Ozeanen und der Kryosphäre zu verlangsamen bzw. einzuschränken.

Bericht fasst die Veränderungen von Ozean und Kryosphäre zusammen. Dies betrifft besonders die Bewohner arktischer Regionen, wo sich die Auswirkungen summieren. Bild: Michael Wenger

Das im Bericht bewertete Wissen umreisst die klimarelevanten Risiken und Herausforderungen, denen Menschen weltweit heute und in Zukunft ausgesetzt sind. Es bietet Optionen zur Anpassung an nicht mehr vermeidbare Veränderungen, zum Management der damit verbundenen Risiken und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit für eine nachhaltige Zukunft. Die Auswertung zeigt auch, dass die Anpassung von der Kapazität der Individuen und Gemeinschaften und den ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen abhängt. Der Vorsitzende der IPCC, Hoesung Lee erklärt: «Das offene Meer, die Arktis, die Antarktis und die hochalpinen Regionen sind für viele Menschen scheinbar weit weg. Doch wir sind von ihnen abhängig und werden durch sie auf vielfältige Art direkt und indirekt beeinflusst: Wetter und Klima, Nahrung und Wasser, Energie, Handel, Transport, Freizeit und Tourismus, Gesundheit und Wohlbefinden, Kultur und Identität. Wenn wir die Emissionen massiv reduzieren, werden die Folgen für die Menschen und ihr Leben zwar immer noch eine Herausforderung darstellen. Doch für die am stärksten gefährdeten Menschen werden sie wahrscheinlich besser zu bewältigen sein. Wir steigern unsere Möglichkeiten, uns anzupassen und es gibt mehr Vorteile für eine nachhaltige Entwicklung.»

Die Veränderungen in den Polarregionen sind besonders offensichtlich, da dort die Erwärmung am höchsten ist. Gletscher und Meereisbildung werden jedes Jahr kleiner, in der Arktis noch stärker als in der Antarktis. Dadurch steigt der Meeresspiegel stärker an als bisher gedacht. Bild: Michael Wenger

Der Bericht zeigt den Zusammenhang zwischen den Ozeanen und der Kryosphäre auf und beschreibt auch die möglichen Gefahren, die durch die fortschreitende Erwärmung entstehen.

  • Das weitere Abschmelzen der Gletscher und deren Verlust um bis zu 80 Prozent bis 2100 führt beeinflusst auch die Wasserverfügbarkeit und -qualität der Menschen in den Bergen, aber auch weiter unten.
  • Der globale Meeresspiegel ist im 20 Jahrhundert um 15 Zentimeter angestiegen durch den Verlust der Eismassen. Die Geschwindigkeit des Anstiegs hat sich mittlerweile verdoppelt, Tendenz weiter steigend. Bis 2100 wird sich er zwischen 30 und 60 Zentimeter höher liegen, wenn Massnahmen ergriffen werden. Ansonsten könnte er doppelt so hoch liegen. Jedoch sind diese Zahlen noch mit Vorsicht zu geniessen, da noch Unsicherheiten bezüglich der Schmelzgeschwindigkeit der Antarktis bestehen.
  • Die Zahl an Stürmen, Flutwellen und anderen Gefahren wird durch den steigenden Meeresspiegel zunehmen. Damit auch die Schäden und die Kosten für die Küstenregionen.
  • Die Abnahme des arktischen Meereises wird nicht gestoppt werden können, aber zumindest kann bei einer Stabilisierung der globalen Erwärmung bei 1.5°C eine eisfreie Arktis einmal alle hundert Jahre im September erwartet werden. Im Business-as-usual-Szenario wird dies rund alle drei Jahre geschehen.
  • Auch der Permafrostboden wird auftauen und die Frage wird nur sein, wie viel der Gesamtbodenfläche bis in eine Tiefe von 4 Meter davon betroffen sein wird. Bei einer Stabilisierung der Temperatur weit unter 2°C wären ca. 25 Prozent, bei höheren Temperaturen bis zu 70 Prozent des Permafrostbodens aufgetaut. Da gleichzeitig diese Gebiete auch trockener werden, wären dann Brände wie in diesem Jahr keine Seltenheit mehr.
In fast allen arktischen Regionen brachen in diesem Jahr grossflächige Brände aus, die weite Teile zerstörten und das in Holz und Pflanzen gebundene CO2 wieder in die Atmosphäre gebracht hatten. Wiederaufforstungen können das nur lindern, nicht heilen.

Der Bericht ruft die Entscheidungsträger auf, die am Pariser Klimaabkommen getroffenen Entscheidung nun wirklich rasch umzusetzen. Zum ersten Mal sind im Bericht auch die Vorteile beschrieben, die durch die Kombination von wissenschaftlichem und lokalem, einheimischen Wissen entstehen. Denn so entwickeln sich Optionen für geeignete Massnahmen zur Anpassung an Klimarisiken mit den Leuten, die direkt betroffen sind. Ausserdem ist der präsentierte Bericht auch der erste, der die Bedeutung von Bildung zur Verbesserung der Kenntnisse in den Bereichen Klimawandel, Ozean und Kryosphäre hervorhebt.

Quelle: Intergovernmental Panel on Climate Change

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