US-geführte Militärübungen nahe Nordpol mit U-Booten | Polarjournal
Die USS Toledo ist eines von 41 U-Booten der Atom-betriebenen Los-Angeles- oder 688-Klasse. Das U-Boot ist seit 1995 in Betrieb und wurde mehrfach aufgerüstet. Sie war im Jahr 2000 dabei, als die russische Kursk sank. Video: Youtube / Military Weapons / US Navy

Schon seit 2016 führen die USA zusammen mit Kanada, Norwegen und Grossbritannien alle zwei Jahre militärische Übungen in den Weiten der Arktis durch, unabhängig von den NATO-Übungen. Dabei wird auch immer ein Eiscamp als Basis für die Übungen errichtet. Auch dieses Jahr sind diese Übungen unter dem Namen ICEX2020 wieder Anfang März gestartet worden. In diesem Jahr wurden auch zwei Atom-U-Boote der Los-Angeles-Klasse für die Übungen rund um den Nordpol eingesetzt worden.

Die Aufnahmen, die von der US-Marine erstellt worden sind, zeigen, wie die USS Toledo langsam durch das Eis nahe dem errichteten Camp Seadragon bricht.  Damit will die Marine auch zeigen, dass trotz der fehlenden Eisbrecher das US-Militär in der Arktis präsent ist. Im Rahmen der Übungen haben die beiden eingesetzten U-Boote mehrere Durchfahrten der Region unternommen. Was während dieser Fahrten unternommen worden ist, wird vom Militär jedoch nicht weitergegeben. Die Marine liess jedoch bekanntgeben, dass die U-Boote essentielle Teile der Übungen gewesen sind und rund 100 Fahrten und Übungsmissionen, inklusive diejenigen für ICEX, durchgeführt haben. Die diesjährige ICEX2020-Mission ist jedoch speziell: Zum einen wird sie nur drei statt, wie üblich, fünf Wochen dauern; zum anderen hatten die USA ihre Teilnahme an den gleichzeitig stattfindenden NATO-Übungen in Nordnorwegen und Finnland (Code: Cold Response) reduziert, bzw. die Übungen wurden nach einer Woche aufgrund des Corona-Virus abgebrochen. Ein ähnliches Szenario für ICEX2020 ist auch noch möglich. Das Camp liegt mitten auf dem arktischen Meereis, nördlich von Prudhoe Bay, Alaska.

Im Zuge der ICEX-Missionen wird immer ein Eiscamp errichtet. In diesem Jahr hat das Camp den Namen «Seadragon» erhalten, in Erinnerung an die USS Seadragon, die als erstes U-Boot die Nordwestpassage 1960 durchfahren hatte. Bild: US Navy, Wikipedia

Neben den U-Booten sind verschiedene Einheiten aus den USA, Kanada, Grossbritannien, Norwegen und Japan an den Übungen beteiligt. Vom errichteten Eiscamp Seadragon aus werden die Einheiten sowohl militärisch wie auch wissenschaftlich aktiv sein. Besonders der wissenschaftliche Aspekt ist mittlerweile auch für das Militär von grosser Wichtigkeit. Denn die militärische Führung in Washington hat erkannt, dass der Klimawandel in der Arktis auch sicherheitspolitisch Auswirkungen hat. «Die Arktis ist nicht mehr eine Schutzmauer und der Arktische Ozean nicht mehr ein Schutzmantel. Beide sind jetzt Strassen in Richtung Heimat», sagte General Terrence J. O’Shaughnessy, der Befehlshaber des US-Nordkommandos (Northcom) und des Nordamerikanischen Luftraumverteidigungskommandos. Auch Rebecca Pincus, Assistenzprofessorin am US-Naval War College erklärt im Hinblick auf die Klimaforschung: “Wenn wird die Arktis als eine sich entwickelnde Sicherheitsdomäne betrachten, ist es absolut entscheidend, die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft vorherzusagen, um unsere Interessen verteidigen zu können.» Diese Einstellung hat die militärische Führung bereits mehrfach in einen Clinch mit der politischen Führung unter Trump gebracht, der den Klimawandel mehrfach öffentlich verharmlost oder gar geleugnet hatte.

Russland betreibt bereits seit den 1930er Jahren Eiscamps auf dem arktischen Meereis sowohl für wissenschaftliche wie auch für militärische Zwecke. Das Eiscamp Barneo, eigentlich als Forschungscamp verstanden, wurde von Moskau in der Vergangenheit auch für militärische Ausbildungszwecke verwendet. Heute dient das Camp lediglich Tourismus und Forschung. Bild: Michael Wenger

Obwohl die Übungen unter ICEX allgemein als wichtig und notwendig betrachtet werden, um die US-amerikanischen Interessen und Präsenz weiterhin zu markieren, ist in den USA auch Kritik aus den Reihen der Republikaner laut geworden. Besonders Senator Dan Sullivan, der zweite Vertreter aus Alaska im US-Kongress hat den Einsatz von U-Booten kritisiert. Seiner Meinung nach sind U-Boote ungeeignet dafür, Präsenz zu markieren und er plädiert für das FONOP (Freedom of Navigation Operation), der militärischen Durchsetzung von Schifffahrtsfreiheit in der Arktis. «U-Boote kann man nicht sehen», erklärte er in einem Interview. Auch die Strategie der US-Marine, die als blutarm und unfokussiert bezeichnet wurde und das Fehlen von eis-gängigen Überwasserschiffen bei der Marine und der Küstenwache sind nach Meinung von Senator Sullivan Punkte, die geändert werden müssen. Professor Pincus hält dagegen, dass die USA die einzige Nation sei, die seit Jahren sowohl militärisch wie auch wissenschaftlich im Arktischen Ozean präsent seien. Diese Aussage stimmt jedoch nicht: Russland betreibt schon seit den 1930er Jahren Eiscamps nahe am Nordpol während Wochen und Monaten. Eines davon, Eiscamp Barneo, ist vor einigen Jahren in die Kritik geraten, da es neben Forschung und Tourismus auch militärische Aktivitäten beherbergt hatte. Doch trotz ICEX und Russlands Militärmanövern redet man auch in Washington nicht von direkten Bedrohungen und einer Militarisierung der Arktis. Die neuesten Aktionen sprechen aber eine andere Sprache.

Während der ICEX2020-Übungen fingen US-Kampfjets zwei russische Aufklärungsflugzeuge über der Beaufortsee im amerikanischen Identifizierungsbereich des Luftraumes (Bereich vor dem eigentlichen Luftraum) ab. Bild: NORAD

Quelle: Melody Schreiber, Arctic Today / US Navy / Eye on the Arctic

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