Eisbärattacken nahe dänischer Station in Ostgrönland | Polarjournal
Das Hauptquartier der dänischen Spezialeinheit «Sirius-Patrouille» in Ostgrönland ist die Station Daneborg. Die ganzjährig besetzte Station hat mindestens 12 Bewohner und liegt auf einer vorgelagerten Insel, mitten im Nationalpark «Avannaarsuani Tunumilu Nuna Allanngutsaaliugaq». Bild: Michael Wenger

Die dänische Station Daneborg in Nordostgrönland ist das Hauptquartier der Sirius-Patrouille. Die Station liegt im grössten Nationalpark der Welt, wo sie auch für den Schutz der Eisbären dort verantwortlich ist. Doch was soll man tun, wenn eines der zu schützenden Tiere sich plötzlich gegen seine Schützer stellt? In dieser Situation befinden sich die Mitglieder der Sirius-Patrouille, nachdem ein Eisbär wiederholte Male in die Station eingedrungen ist und dabei auch einen Mann verletzte.

Nach einem Bericht des dänischen Joint Arctic Command (Arktisk Kommando) in Nuuk auf ihrer Facebookseite, war am Montagabend ein Eisbär in eine Hütte nahe der Station Daneborg eingedrungen. In der Hütte waren drei Filmemacher untergebracht und schliefen bereits, als der Bär durch ein offenes Fenster eindrang. Einer der Männer wurde durch Lärm wach und schaute nach. Dabei wurde er vom Eisbären angegriffen und in die Hand gebissen. Seine Kameraden erwachten durch die Schmerzenschreie und gemeinsam konnten sie den Bären mit Leuchtmunition verscheuchen, schreibt das Arktisk Kommando. Der Verletzte wurde zuerst in der nahen Station medizinisch versorgt, musste aber nach Akureyri in Island evakuiert werden, da die Station nicht über die notwendige Ausrüstung für eine bessere Versorgung der Wunden hatte.

Das zerbrochene Fenster zeigt, wo der Bär (links) versucht hatte, beim dritten Mal einzudringen. Gemäss einer Spurenanalyse habe der Bär zuerst die Hütte genau abgesucht und an mehreren Orten die Chancen für ein Eindringen abgeklärt. Bilder: Arktisk Kommando via Facebook

Am darauffolgenden Vormittag war der Bär wieder zur Hütte zurückgekehrt und hatte nochmals versucht, einzudringen. Die noch dort gebliebenen Filmleute kontaktierten die Patrouillenmitglieder, denen es wieder gelang, den Bären zu verscheuchen, jedoch nicht für lange. Am Nachmittag kehrte er zurück und versuchte es erneut, Dabei gelang es ihm, ein Fenster einzuschlagen. Diesmal waren es die Filmleute, die den Eisbären verscheuchen konnten, ohne dass jemand zu Schaden kam.

Die Eisbärenpopulation in Ostgrönland ist von allen 19 Subpopulationen diejenige mit der grössten Flächenverteilung, aber die Zahl der Tiere ist unbekannt. Die Tiere dürfen von den Einwohnern Grönlands mittels Quoten gejagt werden. Bild: Michael Wenger

Nach Angaben des Arktisk Kommando ist der Bär kein unbekanntes Tier. Er habe bereits früher fünfmal die Station besucht, schreibt das Kommando. Daher wurde beschlossen, das Tier zu einem «Problembären» zu erklären. Damit steht es den Leuten der Sirius-Patrouille frei, das Tier beim nächsten Besuch in der Station abzuschiessen. Keine leichte Aufgabe für die Stationsmitglieder, sind sie doch unter anderem eigentlich zum Schutz der Natur und seiner Bewohner in Daneborg stationiert, also auch für den Eisbären. Doch viele andere Optionen, die an anderen Orten versucht werden, stehen den Mitgliedern nicht unbedingt zur Verfügung. Eine Betäubung und Umsiedlung des Bären ist einerseits ein sehr grosses Risiko für den Bären und ausserdem technisch nicht umsetzbar. Ob der Bär es nun begriffen hat, dass die Station kein geeignetes Ort ist, ist aber eher zweifelhaft. Denn gegenwärtig liegt kaum noch Packeis vor der Küste und die Nahrung für die Tiere ist allgemein knapp. Die hohen Temperaturen und die grosse Schmelze des Eisschildes der vergangenen Tage dürfte für das Tier keine Rolle spielen, da Eisbären kaum auf den Eisschild gehen und die Temperaturen gegenwärtig auf Durchschnittshöhe (ca. 8°C) liegen. Es bleibt zu hoffen, dass der Bär seine Abschreckungslektionen gelernt hat und in Zukunft einen Bogen um die Station machen wird.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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