Eindämmung mariner invasiver Arten auf Südgeorgien | Polarjournal
Eingeschleppte, invasive Arten können in jedem marinen Lebensraum eine Bedrohung für die heimischen Arten darstellen, die perfekt an die Bedingungen angepasst sind, jedoch ungewohnter Konkurrenz oder unbekannten Raubtieren häufig nichts entgegenzusetzen haben. Foto: Twitter/Blue Belt Programme

Weltweit sind invasive, nicht-heimische Arten ein großes Problem, da sie zunehmend heimische Arten verdrängen. Die Einwanderung und Einschleppung fremder Arten in neue Gebiete stellen nicht nur an Land eine große Bedrohung für die heimische Artenvielfalt dar, sondern auch in den Ozeanen. Die Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln hat daher in Zusammenarbeit mit dem South Atlantic Environmental Research Institute (SAERI) ein Projekt gestartet, um das Bewusstsein speziell für marine invasive Arten zu schärfen und das potenzielle Risiko zu ermitteln, das sie für Südgeorgien und die Falklandinseln darstellen. Auf Südgeorgien konnten bereits eingeschleppte Ratten und absichtlich eingeführte Rentiere, die die heimische Fauna und Flora bedrohten, erfolgreich ausgerottet werden.

Sie heften sich an Schiffsrümpfe oder reisen mit dem Ballastwasser — die Eroberung neuer Gebiete durch fremde Arten weitab von deren natürlichem Verbreitungsgebiet ist in der globalisierten Welt an der Tagesordnung. Schätzungen zufolge transportiert allein der derzeitige Schiffsverkehr mit dem Ballastwasser 10.000 verschiedene Arten zwischen biogeografischen Regionen und das ist nur einer von vielen Vektoren. Die Ökosysteme abgelegener Naturparadiese mit einer großen Zahl an endemischen Arten, wie z.B. Südgeorgien, reagieren besonders sensibel auf Störungen durch nicht-heimische Eindringlinge. Häufig bedrohen diese die einheimische Artenvielfalt durch Störung des Lebensraums, direkte Konkurrenz, Räuberdruck, Krankheiten und genetische Verschmutzung. Deshalb ist es enorm wichtig, der Einschleppung fremder Arten gerade in solch fragilen Gebieten vorzubeugen und sie möglichst zu verhindern.

Das Blue Belt Programm wurde 2016 von der britischen Regierung ins Leben gerufen, um die Meeresumwelt der britischen Überseegebiete zu schützen und nachhaltig zu verwalten. Dank der Unterstützung durch das Programm konnte der Schutz von Meeresgebieten mit einer Gesamtfläche von über 4,3 Millionen Quadratkilometern verbessert werden. Der «Blaue Gürtel» reicht von den tropischen Inseln wie Ascension bis nach Südgeorgien & die Südlichen Sandwichinseln und in die Antarktis. Die Größe des Meeresschutzgebiets rundum Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln beträgt 1,2 Millionen Quadratkilometer. Karte: UK Government

Im Rahmen des neu gestarteten Projekts «Safeguarding South Georgia’s Blue Belt: Marine invasives mitigation» («Schutz des Blauen Gürtels von Südgeorgien: Eindämmung mariner invasiver Arten») werden unter der Leitung von Dr. Dan Bayley, Meeresökologe am SAERI auf den Falklandinseln, Mechanismen und Wege, über die potenzielle invasive, nicht-heimische Arten eindringen, untersucht und analysiert. Zudem werden Risikobewertungen zur Eindämmung der Bedrohung entwickelt. Die Initiatoren hoffen, dass die Einbindung der Interessengruppen und der Workshop das Bewusstsein für die Problematik schärfen und zur Entwicklung von Maßnahmen zum Schutz der Meeresumwelt beitragen werden. Denn werden die Ökosystemfunktionen und -leistungen gestört, schadet dies letztendlich auch der Wirtschaft.

Julia Hager, PolarJournal

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