«Krabbenkrieg» zwischen Norwegen und EU bahnt sich an | Polarjournal
Der Krabbenfang ist in den arktischen Gewässern weit verbreitet und ist für die Fangbetriebe ein lukratives Geschäft.

Die EU-Behörden sind der Ansicht, dass europäische Schiffe genauso viele Königskrabben vor Spitzbergen fangen dürfen wie norwegische Schiffe. In Oslo sieht man das jedoch anders.

Die Königskrabben werden in Reussen gefangen.Diese werden mit einem Köder ins Meer geworfen. Sie sind mit Seilen an Bojen befestigt.  Nun stürzen sich Hunderte Krabben auf den Köder. Aufgrund der Bauweise finden die Tiere zwar in den Käfig hinein, nicht aber wieder hinaus

Nach Angaben der norwegischen staatlichen Fernseh- und Rundfunkgesellschaft NRK will die EU 20 Lizenzen für Fang von Königskrabben vor dem norwegischen Archipel Spitzbergen ausstellen, was jedoch einem entsprechenden Beschluss des norwegischen Obersten Gerichtshofs widerspricht. Es könnte also zu einem „Krabbenkrieg“ zwischen Brüssel und Oslo kommen.

Elf Lizenzen sollen auf Beschluss der EU-Kommission lettischen Unternehmen ausgestellt werden; drei Lizenzen sind für litauische, drei für polnische und je eine für Estland und Spanien bestimmt. Der norwegische Fischfangminister Harald Tom Nesvik findet die Ausstellung der Lizenzen nicht überraschend. Allerdings verwies er darauf hin, dass niemand Königskrabben am norwegischen Kontinentalschelf ohne Oslos Zustimmung fangen darf.

Wenn es nach der Meinung des Fischereiministers Harald-Tom-Nesvik geht dürften nicht norwegische Fischer keine Krabben vor Spitzbergen fangen.

Alles verläuft wie gewöhnlich. Die EU stellen Lizenzen den Ländern aus, die diese beantragt haben. Wer Königskrabben fangen will, braucht die norwegische Quote“, so der Minister. Nach seinen Worten hat er keine Angst vor möglichen physischen Kontakten vor Spitzbergen im Vorfeld der Fischfangsaison. „Das wäre sehr dumm, denn dann würde man sie verhaften, denn sie würden gegen das Gesetz verstoßen. Die EU weiß ganz genau, dass die Quoten von Norwegen vergeben werden. Diese Lizenzen haben keine Bedeutung.“ so der Minister.

Wegen des Krabbenfangs kam es zur Spaltung zwischen der EU und Norwegen. Nach Auffassung Brüssels verletzt Oslo mit seiner differenzierten Behandlung norwegischer und ausländischer Schiffe den Spitzbergenvertrag von 1920.

Norwegen glaubt seinerseits, die ausschließlichen Rechte auf den Krabbenfang in den Fisch-Schongebieten vor dem Archipel zu haben. Im vorigen Winter hatte der norwegische Oberste Gerichtshof den Einspruch eines lettischen Schifffahrtsunternehmens abgelehnt. Zuvor hatte der polnische EU-Abgeordnete Jaroslaw Walesa vermutet, dass europäische Fischfangunternehmen in Norwegen wie Verbrecher behandelt werden. Der norwegische Rechtsprofessor Geir Ulfstein stellte seinerseits fest, dass die norwegischen Behörden mit ihrer Meinung ziemlich allein dastehen.

Die Königskrabbe gilt als Delikatesse. Der Rückenpanzer der Königskrabbe erreicht eine Größe von 25 cm, während sie insgesamt ein Gewicht von bis zu 17 Kilogramm erreichen kann. Die Beinspannweite kann bis zu 180 cm betragen.

Königskrabben sind im nördlichen Teil des Pazifischen Ozean und in den letzten Jahren auch im Nordwesten des Atlantiks verbreitet. Als beste Lebensbedingungen gilt eine Wassertemperatur von höchstens drei Grad Celsius. In der Barentssee beispielsweise haben russische Forscher Königskrabben zum ersten Mal 1996 entdeckt.

Der Spitzbergenvertrag aus dem Jahr 1920 garantiert die Souveränität Norwegens über das Archipel Spitzbergen, wobei allerdings die Länder, die die entsprechende Konvention unterzeichnet haben, in diesem Gebiet Fischfang betreiben dürfen. In dem Vertrag ist auch der Status Spitzbergens als entmilitarisierte Zone festgelegt.

Heiner Kubny, PolarJournal

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