Umbau des Mehrzweckgebäudes für Ny-Ålesund geplant | Polarjournal

Mitten im Ortszentrum von Ny-Ålesund, der nördlichsten Siedlung Europas, steht das Herzstück, das Mehrzweckgebäude oder Servicegebäude. Hier sind Kantine, Speiseraum, Wäscherei und die Rezeption des Forschungsortes untergebracht. Doch das Gebäude kommt in die Jahre und auch der Untergrund wird durch die Erwärmung weich und lässt das Gebäude teilweise einsinken. Die geplante Renovation soll Ende dieses Jahres beginnen. Doch die Kosten dafür sind fast viermal höher als geplant.

Der Leiter der Kings Bay AS, der Verwaltungseinheit im Ort, Per Erik Hanevold, blickt sorgenvoll auf das bestehende Mehrzweckhaus. «Teile des Gebäudes versinken langsam, während andere Teile festsitzen. Und das ist nicht erst jetzt so, sondern schon ein paar Jahre», erklärt er. «Der Umbau des Gebäudes wird das grösste Projekt sein, welches wir hier seit vielen Jahren getan haben.» Doch die Renovation wird viel teurer als bisher angenommen. Als vor zwei Jahren ein Voranschlag erstellt worden war, wurden rund € 1.2 Millionen dafür vom Staat bereitgestellt. Doch mittlerweile weiss man aus anderen Projekten, dass dieser Betrag nicht ausreichen dürfte. Zwei vorherige Projekte, die in Ny-Ålesund umgesetzt worden waren, mussten mit mehreren Millionen Eure nachfinanziert werden. Das soll bei diesem wichtigen Projekt nicht passieren. Die Regierung hat nach langem Hin und Her das Budget auf €4.4 Millionen aufgestockt.

Im zentral gelegenen Mehrzweckhaus (Hintergrund), direkt neben der Amundsenvilla, treffen sich die Forscher in der Regel zum Essen, für die Wäsche und als Ankunfts- und Informationsstelle. Damit müssen in den Stationshäusern, von denen die meisten aus Holz sind, keine Küchen genutzt werden. Bild: Michael Wenger

Das derzeitige Mehrzweckgebäude ist für die Wissenschaftler, die teilweise monatelang in Ny-Ålesund leben und arbeiten, der einzige Ort, ihre Wäsche zu waschen und regelmässig warme Mahlzeiten zu erhalten. Denn im kleinen Ort, wo die meisten Häuser noch aus Holz sind, ist Feuer ein echtes Problem. Daher werden in den Stationsgebäuden wie beispielsweise dem deutsch-französischen Haus nicht gekocht. Damit aber der Umbau eines so wichtigen Gebäudes ohne Unterbrechung der alltäglichen Abläufe vonstattengehen kann, wurde die Kongsfjordhalle und ein paar andere Gebäude umfunktioniert und erweitert. «Wir wollen nicht, dass der Umbau unsere Kapazität während der Bauphase beeinträchtigt. Die Bedingungen dürfen für diejenigen, die hier arbeiten oder nur zu Besuch sind, nicht schlechter werden», erklärt Hanevold. «Wenn wir das Mehrzweckgebäude nicht bis zum 10 Dezember schliessen können, werden wir dort Weihnachten feiern und den Auszug auf die erste Januarwoche legen.» Damit würden dann die Umbauarbeiten mitten im Winter beginnen. Geplant ist es, dass im März 2021 das renovierte Haus wieder in Betrieb genommen werden kann.

Gleich gegenüber des Mehrzweckgebäudes steht die Büste von Roald Amundsen. Der norwegische Polarforscher startete von hier aus mit dem Nobiles Zeppelin «Norge» zum Nordpol. Sein Domizil errichtete er im Haus neben dem Mehrzweckgebäude, der Amundsenvilla. Bild: Michael Wenger

Quelle: Svalbardposten

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