Russland findet in Indien einen Markt für arktische Kohle | Polarjournal
Die Kohle vonVostok Coal wird im Tageabbau abgebaut. Die Qualität der Kohle ist hervorragend und für die Stahlindustrie bestens geeignet. (Foto: Vostok Coal)

Als der indische Minister für Öl, Erdgas und Stahl, Dharmendra Debendra Pradhan, letzten Monat Russland besuchte, wurde nicht über alternative und grüne Energie diskutiert. Der Minister war auf einer viertägigen Reise in den Fernen Osten Russlands und hatte eine mächtige Delegation von Führungskräften der größten Industrieunternehmen des Landes dabei.

Der Tageabbau reisst grosse Wunden in die Tundra-Landschaft.(Foto: Vostok Coal)

Es war die Kohle, die auf Pradhans Tagesordnung stand, als er sich mit russischen Regierungsbeamten und Wirtschaftsvertretern zusammensetzte. „Unsere Verhandlungen müssen mit einer erfolgreichen Projektentscheidung über die Entwicklung der metallurgischen Kohle enden, die aus Russland exportiert werden soll“, sagte der Minister in einem Treffen mit dem russischen Ministerium für Fernost und Arktis. Für die Aluminium- und Stahlindustrie benötigt Indien laut Pradhan rund 70 Millionen Tonnen hochwertige Kohle. Pradhan und die indischen Wirtschaftsführer blicken in Richtung der russischen Arktis, wo sie alle kohlenstoffreichen Gesteine ​​finden, die sie jemals brauchen könnten.

Der indische Minister für Erdöl und Erdgas sowie Minister für Stahl Dharmendra Debendra Pradhan besuchte Vostok Coal und beabsichtig grosse Mengenarktische Kohle für Indian zu ordern. (Foto: News Delhi Times)

Von Taymyr nach New Delhi

In der abgelegenen nördlichen Region sind mehrere neue große Bergbauprojekte in der Entwicklung. Darunter sind die Projekte der Firma Vostok Coal auf der Halbinsel Taymyr. Vostok Coal plant jährlich 30 Millionen Tonnen hochwertige Kohle aus seinen Feldern in Taymyr zu gewinnen. Seit 2016 hat das Unternehmen den Grundstein für ein riesiges Industrieprojekt gelegt, das mehrere Tagebaugruben sowie den Bau von Seehäfen, Straßen und anderer Infrastruktur umfasst. Während des Besuchs von Minister Pradhan in Russland führte Vostok Coal Gespräche mit Vertretern des staatlich kontrollierten Unternehmens Coal India über die Entwicklung der Taymyr-Ressourcen.

Die indische Seite bekundete Interesse am Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen sowohl im Hinblick auf den Kauf der Kohle als auch auf gemeinsame Anstrengungen für deren Gewinnung, sagte Vostok Coal. Eine indische Wirtschaftsdelegation wird voraussichtlich bald Taymyr besuchen.

Schmutziges Geschäft

Coal India Ltd ist das größte Kohleproduktionsunternehmen der Welt. Es produziert mehr als 500 Millionen Tonnen Rohkohle pro Jahr und macht mehr als 80 Prozent der Kohleproduktion in Indien aus. Laut der Zeitung The Guardian gehört das indische Unternehmen zu den zehn grössten Luftverschmutzer der Welt. Seit 1965 soll das Unternehmen mehr als 23 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente ausgestoßen haben. Die Emissionen dürften steigen, da das Unternehmen die Produktion weiter steigert und die Importe erhöht.

Das Taymyr-Gebiet liegt mitten in der Nordost-Passage. In Dikson (roter Punkt) soll die Hafenanlage massiv ausgebaut werden. Neu sollen die zwei Häfen «Chaika» und «Severny» gebaut werden. (Foto: Polar Journal)

Vostok Coal glaubt, dass unter der Taymyr-Tundra beispiellose Mengen an Kohle verborgen sind. Nach Angaben des Unternehmens verfügt das Taymyr-Kohlebecken, über 225 Milliarden Tonnen hochwertige Kohle.

In der Region ist nicht nur Vostok Coal vertreten. Das Unternehmen Severnaya Zvezda besitzt Produktionslizenzen in der Region und beabsichtigt, Millionen Tonnen von einem neuen Hafenterminal in der Nähe von Dikson an der Karaseeküste gelegen, zu versenden. Auf dem Syradasayskoye-Feld des Unternehmens sollen etwa 5,7 Milliarden Tonnen Reserven vorhanden sein, und die jährliche Produktion soll mindestens 10 Millionen Tonnen erreichen. Der Produktionsstart ist für 2020 geplant.

„Wir können liefern“

Russland kann anbieten, was Indien braucht, betont das russische Ministerium für Fernost und Arktis. Bei den Treffen mit den Indern im letzten Monat bestätigte der erste stellvertretende Minister, Sergey Tyrtsev, dass Russland seine Exporte nach Indien bis zum Jahr 2025 um 700 Prozent steigern kann. „Ich glaube, dass wir das Volumen unserer Lieferungen nach Indien bis 2025 auf 28 Millionen Tonnen versechsfachen können“, sagte er. Die angegebenen Mengen entsprechen den kombinierten Produktionszielen von Vostok Coal und Severnaya Zvezda. Russland exportierte 2018 insgesamt 4,5 Millionen Tonnen Kohle nach Indien.

Der Export der Kohle dürfte die Nordost-Passage beleben, nachdem einige Container-Frachtführer auf den Weg durch die Arktis verzichtet haben.

Nordseeroute

Die Kohleexporte aus Taymyr bilden einen zentralen Bestandteil der ehrgeizigen Entwicklungspläne Russlands für die Nordseeroute. Der nach seiner Wiederwahl im Jahr 2018 vorgelegte nationale Fünfjahresplan des russischen Präsidenten Wladimir Putin umfasst ein jährliches Schiffsvolumen auf der arktischen Schifffahrtsroute von insgesamt 80 Millionen Tonnen. Dieses Ziel wird ohne die Kohle von Taymyr nicht zu erreichen sein. Die arktische Zusammenarbeit zwischen Russland und Indien wird daher von höchster politischer Ebene in Moskau unterstützt.

Umweltverstöße

Die massive Kohleförderung in der arktischen Tundra kommt nicht ohne gravierende Umweltauswirkungen aus. Bereits im Jahr 2017 wurden Vostok Coal und ihre regionale Tochtergesellschaft Arctic Mining Company vom russischen Bundesamt für Umweltschutz verklagt und anschließend mit einer Geldstrafe von 600 Millionen Rubel belegt. Laut den Umweltinspektoren hat Vostok Coal die lokale Umwelt schwer beschädigt und verfügte nicht über die erforderlichen Genehmigungen. Berichten zufolge fanden die Inspektoren rund 70.000 Tonnen abgebaute Kohle vor Ort. Darüber hinaus wurden im Winter 2017 mehr als 180.000 Tonnen in einem komplexen logistischen Vorgang exportiert. Das Unternehmen bestreitet jegliches Fehlverhalten. Die geförderte Kohle sei Teil der geologischen Erkundung des Gebiets.

Nach der Inspektion versuchte das Unternehmen sogar, die Vertreter der Umweltbehörde wegen illegaler Einreise in den Produktionsbereich zu verklagen. Das Gericht wies den Fall zurück. Trotz der Verstöße erhielten Vostok Coal und seine Partner den Segen der Bundesbehörden für den Bau von zwei großen Seehafenterminals an der Küste der Karasee. Die beiden geplanten Seehäfen «Chaika» und «Severny» sollen die notwendige Infrastruktur für den Export der Kohle aus den nahe gelegenen Minen bereitstellen. Das Problem für Vostok Coal war jedoch, dass sich die Terminals in Gebieten befinden, die durch die Umweltgesetze streng geregelt sind.

Die Umweltschäden im Taymyr-Gebiet sind immens. Teilweise wurde ohne Bewilligung Kohle abgebaut. (Foto: Vostok Coal)

Russland investiert in Kohle

Während Kohle in Europa eine aussterbende Industrie ist, setzt das nahe gelegene Russland weiterhin auf das umweltschädliche Mineral. In den letzten 10 Jahren hat Russland seine Kohleproduktion um mehr als 30 Prozent auf insgesamt 440 Millionen Tonnen gesteigert und ist heute der drittgrößte Produzent der Welt. Im gleichen Zeitraum stiegen die Investitionen in die Branche um 150 Prozent. Und die Produktion soll weiter steigen. Nach einem vorläufigen Entwicklungsprogramm könnte die jährliche Kohleförderung in den nächsten 15 Jahren bis zu 670 Millionen Tonnen erreichen

Quelle: Arctic Today

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