Eines der größten Ozonlöcher seit Jahren | Polarjournal
Das Ozonloch über der Antarktis vom 27. September 2020 mit einem Umfang von 24 Millionen Quadratkilometern. (Foto: NASA)

Das Loch in der Ozonschicht über der Antarktis ist eines der größten und tiefsten in den letzten 15 Jahren, so die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Das Ozonloch über der Antarktis beginnt normalerweise im August zu wachsen und erreicht im Oktober seinen Höhepunkt. In diesem Jahr erreichte es einen Höchststand von 24 Millionen Quadratkilometern und lag am 22. Oktober bei 22 Millionen Quadratkilometer, sagte die WMO. Dies bedeutet, dass das Loch größer als der Durchschnitt des letzten Jahrzehnts ist und sich über den größten Teil der Antarktis erstreckt.

Das Ozonloch über der Antarktis vom 22. Oktober 2020 mit einem Umfang von 22 Millionen Quadratkilometern. (Foto: NASA)

Das «Global Atmosphere Watch-Programm» der WMO arbeitet eng mit dem Copernicus Atmospheric Monitoring Service, der NASA, Environment and Climate Change Canada und anderen Partnern zusammen, um die Ozonschicht der Erde zu überwachen, die uns vor den schädlichen ultravioletten Strahlen der Sonne schützt.

Der «Ozone Watch» der NASA meldete den niedrigsten Wert von 95 Dobson-Einheiten, der am 1. Oktober gemessen wurde. Wissenschaftler sehen Anzeichen dafür, dass das Ozonloch im Jahr 2020 nun sein maximales Ausmaß erreicht zu haben scheint.

Der maximale Höchststand von 2020 ist zwar nicht der größte, der jemals verzeichnet wurde – dieser war bereits im Jahr 2000 mit einem Loch von 29,9 Millionen Quadratkilometern gemessen worden. Doch er ist immer noch von Bedeutung, wobei das Loch auch eines der tiefsten in den letzten Jahren ist.

„Da das Sonnenlicht in den letzten Wochen zum Südpol zurückkehrte, sahen wir einen anhaltenden Ozonabbau über dem Gebiet. Nach dem ungewöhnlich kleinen und kurzlebigen Ozonloch im Jahr 2019, das durch besondere meteorologische Bedingungen verursacht worden war, verzeichnen wir in diesem Jahr wieder ein ziemlich großes Ozonloch. Dies bestätigt, dass wir das Montrealer Protokoll zum Verbot von Emissionen ozonabbauender Chemikalien weiter durchsetzen müssen“.

Das Montrealer Protokoll verbietet Emissionen von ozonschädigenden Chemikalien. Seit dem Verbot von Halogenkohlenwasserstoffen hat sich die Ozonschicht langsam erholt; die Daten zeigen deutlich einen Trend zur Verkleinerung der Fläche des Ozonlochs.

Die jüngste wissenschaftliche Bewertung des Ozonabbaus im Rahmen des WMO/UN-Umweltprogramms, die 2018 herausgegeben wurde, kam zu dem Schluss, dass sich die Ozonschicht auf dem Weg der Erholung und einer möglichen Rückkehr der Ozonwerte über der Antarktis auf die Werte von vor 1980 befindet.

Das große Ozonloch im Jahr 2020 wurde durch einen starken, stabilen und kalten Polarwirbel angetrieben, der die Temperatur der Ozonschicht über der Antarktis konstant kalt hielt.

Messungen des atmosphärischen Ozons vom Copernicus Sentinel-5P-Satelliten werden tägliche aktualisiert. (Foto: ESA)

Der Ozonabbau steht in direktem Zusammenhang mit der Temperatur in der Stratosphäre, also der Atmosphärenschicht zwischen etwa 10 km und rund 50 km Höhe. Denn polare stratosphärische Wolken, die eine wichtige Rolle bei der chemischen Zerstörung des Ozons spielen, bilden sich erst bei Temperaturen unter -78°C.

Diese polaren stratosphärischen Wolken enthalten Eiskristalle, die nicht reaktive Verbindungen in reaktive umwandeln können, die dann schnell Ozon zerstören können, sobald das Licht der Sonne verfügbar ist, um die chemischen Reaktionen zu starten. Diese Abhängigkeit von polaren stratosphärischen Wolken und der Sonneneinstrahlung ist der Hauptgrund dafür, dass das Ozonloch nur im späten Winter und im frühen Frühling zu sehen ist.

Heiner Kubny, PolarJournal

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