Britische Station «Rothera» wird modernisiert | Polarjournal
Das neue Betriebsgebäude «The Discovery Building» soll im Jahr 2023 betriebsbereit sein. Das zweistöckige Gebäude mit einer Fläche von 4.500 m² beherbergt praktisch alle Elemente um eine Polarstation zu betreiben. (Foto: BAS)

Beim Rothera Point, am südlichen Ende von Adelaide Island, befindet sich die größte Forschungsstation der British Antarctic Survey (BAS). Die Station liegt auf einem felsigen Vorgebirge der Insel und ist seit 1975 ständig besetzt. Sie ist ganzjährig in Betrieb. In und um die Station wird ein breites Spektrum wissenschaftlicher Forschung betrieben, einschließlich Biowissenschaften, Geowissenschaften, Glaziologie und Meteorologie. Die Station «Rothera» ist auch ein wichtiges Logistikzentrum, das alle BAS-Aktivitäten in der Antarktis unterstützt.

Die «Rothera»-Station ist ganzjährig in Betrieb. Im Süd-Sommer sind etwa 100 Forscher und Techniker auf der Station stationiert. Im Winter wird das Team auf 22 Personen reduziert.  Neben einer Anlegestelle für Versorgungsschiffe ist eine 900 m lange Landebahn vorhanden. (Foto: BAS)

Für die Modernisierung, Aktualisierung und Wiederherstellung der Infrastruktur der Station sind erhebliche Investitionen nötig. Die Station besteht aus mehreren separaten Gebäuden, die über das gesamte Gelände verteilt sind. Viele von ihnen haben das Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer erreicht, was die Unterhaltskosten in die Höhe getrieben hat. Ziel ist es, mit der Modernisierung die Betriebskosten zu senken und gleichzeitig die derzeitige wissenschaftliche Aktivität aufrecht zu erhalten.

Dies wird erreicht, indem gealterte Gebäude durch moderne Einrichtungen ersetzt werden. Zudem können die Räume flexibler genutzt werden. Auf diese Weise soll die zukünftige Wartung minimiert, die Energieeffizienz verbessert und die Kosten für Schneeräumung und Wartung gesenkt werden.

Die Sanierung von «Rothera» beinhaltete neben dem neuen Gebäude einen neuen, größeren Kai, der für die Aufnahme des neuen Eisbrechers «RRS Sir David Attenborough» erforderlich war. Mit einer Länge von 128 Meter ist das neue Schiff 30 Meter länger. (Foto: BAS)

Das Betriebsgebäude mit dem Namen «The Discovery Building» soll im Jahr 2023 einsatzbereit sein. Das zweistöckige Gebäude mit einer Fläche von 4.500 m2 beherbergt den Vorbereitungsbereich für Feldexpeditionen, eine medizinische Einrichtung, Büros, Erholungsräume, Werkstätten und Flächen für Pflanzen. Der Innenraum verfügt über offene Arbeitsbereiche und eine freundliche Farbgebung, um einen attraktiven und praktischen Ort für Forscher zu schaffen.

Viele der Gebäude in «Rothera» sind entweder nicht mehr benützbar oder kurz vor dem Ende ihrer Lebensdauer, was zu steigenden Betriebskosten führt, und müssen ersetzt werden. Zudem sind sie schlecht gegen Treibschnee geschützt und müssen regelmässig ‘ausgegraben’ werden. (Foto: BAS)

«Rothera»-Station in Zahlen (BAS-Informationen)

Die «Rothera Research Station» wurde 1975 auf einem Felsvorsprung an der Südspitze des Wormald Ice Piedmont erbaut und befindet sich auf der Insel Adelaide westlich der Antarktischen Halbinsel.

Adelaide Island liegt 1.860 km südlich der Falklandinseln und 1.630 km südöstlich von Punta Arenas in Chile. Die 140 km lange Insel ist bergig und stark vergletschert. Ihr höchster Gipfel ist 2.565 Meter.

Soeben ist eine Dash-7 gelandet. Der Austausch von Stationspersonal geschieht meist per Flugzeug. (Foto: BAS)

Die Station ist auf dem Luft- oder Seeweg zu erreichen. Heute fliegen die meisten Menschen mit dem Flugzeug der British Antarctic Survey, einer «Dash 7» nach «Rothera». Entweder in fünf Stunden von Stanley auf den Falklandinseln oder von Punta Arenas, Chile, in viereinhalb Stunden.

BAS-Schiffe bringen Passagiere und Fracht mindestens zweimal im Süd-Sommer nach «Rothera». Die Schifffahrt von Stanley aus beträgt ungefähr vier Tage. Die Versorgungsschiffe sind von entscheidender Bedeutung, da sie wichtige Vorräte von Lebensmitteln, Treibstoff und wissenschaftlicher Ausrüstung bis hin zu Fahrzeugen, Baumaterial und persönlichem Besitz bringen. 

Die Versorgung der Station mit Lebensmittel und der Technik geschieht per Schiff. (Foto: Matthew Phillips, BAS)

Die Station ist das ganze Jahr über in Betrieb. Im Sommer erreicht die Besatzung einen Spitzenwert von etwas mehr als 100 Personen, während in den Wintermonaten von April bis Mitte Oktober ein 22-köpfiges Team die wissenschaftliche Arbeit fortsetzt und die Infrastruktur von «Rothera» unterhält.

Zu den Mitarbeitern der Station gehören Meeres- und Landbiologen, Meteorologen, Elektronikingenieure, ein Tauchoffizier und ein Bootsoffizier, ein Koch, ein Arzt, Fahrzeug- und Generatormechaniker, Elektriker, Installateure, Bauarbeiter, Feldassistenten, Kommunikationsmanager und ein Stationsmanagementteam.

Für medizinische Notfälle sind im Sommer zwei Ärzte auf der Station, im Winter ist noch ein Arzt anwesend. (Foto: BAS)

Die Mitarbeiter essen gemeinsam im zentralen Speisesaal.  Von den Köchen werden Mittag- und Abendessen zubereitet. Samstags gibt es ein formelleres Abendessen. Die Kleidung ist schick lässig und jeder genießt ein mehrgängiges Menü. Obwohl die Köche keinen Zugang zu frischen Zutaten haben, bereiten sie jeden Tag nahrhafte, qualitativ hochwertige Speisen zu.

Für die Freizeitgestaltung gibt es verschiedene Möglichkeiten. (Foto: BAS)

Heiner Kubny, PolarJournal

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