EU treibt Schaffung antarktischer Meeresschutzgebiete voran | Polarjournal
Im Bereich des Rossmeers in der Ostantarktis liegen die grössten Pinguinkolonien Antarktikas. In erster Linie leben hier Adéliepinguine, die durch den grossen Futterreichtum der Region angelockt werden. Dabei gehen sie weit auf das offene Meer hinaus und nutzen Eisschollen als Pausenplätze. Bild: Michael Wenger

Die Schaffung von grossen Meeresschutzgebieten rund um Antarktika ist in den vergangenen Jahren an den Treffen der Antarktisvertragsstaaten diskutiert worden. Denn die kontinuierliche Erwärmung der Gewässer, die Versauerung und auch der Druck durch Fischerei setzt die ökologisch wichtigen Regionen massiv unter Druck. Doch trotz aller Bemühungen verschiedener Staaten und Organisationen scheiterten Vorstösse am Widerstand einzelner Mitglieder. In diesem Jahr will nun die EU zusammen mit anderen Staaten einen neuen und diesmal stärkeren Vorstoss wagen, die lange existierenden Pläne durchzubringen.

Anlässlich eines Treffens des EU-Ministers für Umwelt, Ozeane und Fischerei, Virginijus Sinkevicius, mit Vertretern aus den USA, Neuseeland, Australien, Uruguay, Grossbritannien und einigen EU-Mitgliedsstaaten, bekräftigten die Teilnehmer, dass sie ihre Pläne zur Etablierung von Meeresschutzgebieten in der Antarktis bei der Kommission zum Schutz antarktischer lebender Meeresressourcen CCAMLR verstärken wollen. Dazu wollen die Staaten bei den Mitgliedern für mehr Unterstützung werben, so dass die von der EU und den Staaten vorgeschlagenen MPA im Weddellmeer und in der Ostantarktis beim nächsten CCAMLR-Treffen angenommen werden. EU-Kommissar Sinkevicius erklärte: «Der Verlust der Artenvielfalt und die Klimakrise sind heute schneller als wir jemals angenommen hätten. Es ist essentiell, jetzt zu handeln, wenn wir das Ganze noch umkehren wollen und die reichhaltige und verletzliche Meereswelt des Südlichen Ozeans schützen wollen.»

Die von der EU und einigen ihrer Mitgliedsländer, Grossbritannien, Norwegen, den USA, Neuseeland, Australien, Uruguay, Chile und Argentinien vorgeschlagenen Schutzgebiete sind im östlichen Weddellmeer und in der Ostantarktis gelegen. Sie umfassen rund 3 Millionen Quadratkilometer des Südpolarmeeres. Doch auch andere, an der Halbinsel gelegene MPA sollen unterstützt werden. Bild: Pew Charitable Trust

Die von der EU und den übrigen Staaten favorisierten Schutzgebiete liegen im Bereich des Weddellmeers und in der Ostantarktis westlich des Rossmeers. Mit einer Gesamtfläche von rund 3 Millionen Quadratkilometer würden die Schutzgebiete in etwa so gross wie Indien sein. Das Schutzgebiet im Weddellmeer wird vor allem von den europäischen Staaten und der EU getragen, da sie dort in erster Linie tätig sind. Auf der anderen Seite haben die USA, Neuseeland, Australien und Frankreich die ostantarktischen MPA eingebracht, weil diese in ihrer Einflusssphäre liegen würden. «Ich bin froh, dass wir alle heute unser Engagement in einer gemeinsamen Erklärung für das weltweit grösste Meeresschutzgebiet zum Ausdruck gebracht haben, das mehr als 3 Millionen Quadratkilometer umfassen würde», erklärte EU-Kommissar Sinkevicius weiter. «Ich möchte insbesondere den USA und Neuseeland dafür danken, dass sie sich den anderen aktiven Co-Sponsoren angeschlossen haben, um dieses Gebiet in der Antarktis zu schützen.» Neben den eigenen MPA-Vorschlägen haben die Minister auch bekräftigt, die von Chile und Argentinien geforderten Schutzgebiete entlang der antarktischen Halbinsel zu unterstützen. Die gesamte Absichtserklärung für die Antarktis ist Teil der EU International Ocean Agenda und einer gemeinsamen EU Artenvielfaltstrategie bis 2030.

Letztes Jahr waren die eingebrachten Vorschläge für Schutzgebiete beim CCAMLR-Treffen in Hobart stark diskutiert worden. Doch zum Schluss sträubte sich Russland und China gegen die Etablierung mit dem Hinweis, dass die Schutzgebiete ja auch ein Verbot wissenschaftlicher Fahrten mit sich bringen würden und ausserdem die Schutzgebiete die Rentabilität der beschränkten Antarktisfischereien noch weiter verkleinern würde. Bild: Michael Wenger

Wie viel diese Absichtserklärung der Minister wert sein wird und ob sie mit ihrem Vorhaben, die übrigen Mitgliedsstaaten der CCAMLR, notabene Russland und China, von der Notwendigkeit der MPAs zu überzeugen, erfolgreich sind, wird sich im Oktober am Treffen der CCAMLR zeigen. In den vergangenen Jahren waren die Vorschläge immer am Widerstand der Russen und Chinesen gescheitert, weil die Pläne einstimmig beschlossen werden müssen. Sukzessive Nachbearbeitungen der Vorschläge hatten auch keinen Erfolg gebracht. Für Umweltverbände ist diese Situation mittlerweile sehr frustrierend geworden. Russland, China, aber auch die CCAMLR mussten nach dem Treffen 2020 sehr viel Kritik einstecken von Seiten der Schutzorganisationen. Es bleibt zu hoffen, dass der neuerliche Vorstoss der EU und der übrigen Staaten am diesjährigen Treffen von mehr Erfolg gekrönt sein wird. Denn die Gefahren und Veränderungen, denen sich die Meerestiere Antarktikas ausgesetzt sehen, machen keine Pause.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zu Fakten über Meeresschutzgebiete in der Antarktis (in Englisch)

https://www.pewtrusts.org/en/research-and-analysis/fact-sheets/2017/04/a-network-of-marine-protected-areas-in-the-southern-ocean

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