EDEN-ISS, das Gewächshaus in der Antarktis | Polarjournal
Das experimentelle Gewächshaus EDEN ISS bei der Neumayer Station III in der Antarktis testet Methoden für den Anbau von Produkten an Bord der Internationalen Raumstation und für Langzeitmissionen im Weltraum. (Foto: DLR, Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum)

Wie kann man Menschen auf der Raumstation ISS, auf dem Mond oder bei einer Mission zum Mars mit frischem Obst und Gemüse versorgen? Um dies herauszufinden wurde 400 Meter von der Neumayer III Station entfernt ein Gewächshaus eingerichtet. Getestet wird im Gewächshaus EDEN-ISS bereits seit drei Jahren. Die Pflanzenwissenschaftlerin Jess Bunchek vom Kennedy Space Center der NASA wird im Winter 2021 ein Jahr als DLR-Gastforscherin in der Antarktis verbringen.

Paul Zabel war im Jahr 2018 der erste ‘Gärtner’ in der Antarktis. (Foto: DLR)

Seit 2018 steht das Gewächshaus EDEN ISS des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Antarktis, um für die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft in Wüsten und kalten Regionen zu forschen sowie die Möglichkeiten frischer Ernährung unter den lebensfeindlichen Bedingungen auf dem Mond oder Mars.

Der Raumfahrtingenieur Paul Zabel war 2018 der erste Gärtner im Gewächshau EDEN ISS und baute Gemüse unter Extrembedingungen an. Darauf vorbereitet hatte er sich zuvor mit einem zweiwöchigen Intensivkurs im Gärtnern in einem niederländischen Gewächshaus.

Die Wissenschaftlerin Jess Bunchek wird im Überwinterungs-Team 2021/22 während einem Jahr ‘Chefgärtnerin’ der Eden ISS Versuchsstation sein. (Foto: DLR / Caspari)

Für die Überwinterung 2021 wird nun die Pflanzenwissenschaftlerin Jess Bunchek vom Kennedy Space Center der NASA als Gastforscherin des DLR ein Jahr im ewigen Eis mit der Gemüsezucht ohne Erde und unter künstlichem Licht verbringen. Dabei ist sie Teil der Überwinterungscrew der vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Antarktisstation Neumayer III.

„EDEN ISS ist ein einzigartiges Projekt. Es gibt weltweit nur wenige andere Einrichtungen wie diese“, sagt NASA-Wissenschaftlerin Jess Bunchek, die derzeit für das DLR-Institut für Raumfahrtsysteme tätig ist. „Noch einzigartiger ist es aufgrund des extremen Klimas und des Überwinterungsaspekts. Diese Zusammenarbeit zwischen DLR und NASA soll dazu beitragen, den Entwurf eines zukünftigen Mond- oder Marsgewächshauses und die Anforderungen an die Unterstützung der Astronautenbesatzung mitzugestalten.“

Den ersten Salat aus eigener Ernte kann sich Jess Bunchek schon gut vorstellen: roter Römersalat. Er schmecke prima, und „die anderen Überwinterer in meinem Team kennen diese spezielle Salatsorte noch nicht“.

Ungemütliche Stürme und eisige Temperaturen können den Pflanzen im EDEN-ISS-Gewächshaus nichts anhaben. Im Inneren des Hightech-Containers mit 13 Quadratmetern Anbaufläche herrschen konstant 21 Grad Celsius und 65 Prozent relative Luftfeuchte.

Reiche Ernte beim Testlauf

Unter den paradiesischen Bedingungen konnten die Forscher beim ersten Versuch 2018 insgesamt 117 Kilo Salat, 67 Kilo Gurken, 46 Kilo Tomaten, 19 Kilo Kohlrabi, 15 Kilo Kräuter und 8 Kilo Radieschen ernten. „Ich war tatsächlich überrascht, dass wir so viel ernten konnten“, sagte Paul Zabel im Januar 2019, nach seiner Rückkehr aus der Antarktis.

Heiner Kubny, PolarJournal

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