Letzte grosse US-Bank erteilt Absage an Arktis-Bohrpläne | Polarjournal
Die Bank of America ist das zweitgrösste Finanzinstitut der USA und das achtgrösste der Welt. Der Hauptsitz der Bank liegt in Charlotte, North Carolina (links), während in anderen, grösseren Städten wie New York (rechts) lediglich regionale HQ liegen. Bilder: Unknown Source, Wikipedia (links) / Jleon – Wikipedia CC BY-SA 3.0 (rechts)

Seit Monaten hat sich das Tauziehen um die Erdöl- und Erdgasförderungspläne im Küstengebiet des Arctic National Wildlife Refuge verschärft. Während die Befürworter auf die Pläne der Trump-Regierung bauen, so schnell wie möglich die Auktion für die Vergabe der Lizenzen durchführen zu wollen, wird die Zahl der Gegner der Vorhaben immer grösser. Die Tatsache, dass zahlreiche Grossbanken keine Abbaupläne finanzieren wollen, soll mit einem Gesetz von der Regierung verhindert werden. Doch ungeachtet davon hat nun auch die letzte US-Grossbank, die Bank of America, der Finanzierung von Abbauvorhaben in der Arktis eine klare Absage erteilt.

Die Bank machte in einer Erklärung von Larry Di Rita, dem Leiter der Öffentlichkeitspolitik und Strategie der BofA, klar, dass sie keinerlei Absicht hätten, Projekte zur Ressourcenförderung in der Arktis zu finanzieren. «Es gab ein Missverständnis um unsere Position. Doch wir haben historisch gesehen noch niemals an Finanzierungsprojekten zur Förderung von Öl und Gas in der Arktis teilgenommen», erklärte Di Rita in einem Interview, wie Bloomberg berichtet. «Doch aufgrund dieses Missverständnisses haben wir beschlossen, dass es Zeit ist um unsere existierende Praxis in eine Politik zu formulieren.» Die Bank will nun klar eine Führungsrolle in den Bereichen Umwelt und Sozialpolitik der Finanzindustrie anstreben und sich von umweltschädigenden oder sozial unverträglichen Projekten distanzieren.

Prudhoe Bay ist einer der grössten Ölförderorte an der North Slope-Küste von Alaska. Von hier soll die Ausbeutung weiterer Felder in Richtung des Arctic National Wildlife Refuge, das im Osten liegt, weitergehen, wenn es nach den Plänen der Regierung geht. Bild: Rick Mouser45 CC BY-SA 3.0 Wikipedia

Die Ankündigung der Bank of America hat bereits positive Reaktionen von Seiten der Projektgegner hervorgerufen. Dies aber erst, nachdem die Bank in den vergangenen Wochen Kritik einstecken musste, weil sie bisher nicht klar ihre Haltung bezüglich der Bohrpläne und deren Finanzierung geäussert hatte. Doch nun sprechen die Umweltverbände von einem schweren Schlag für die Regierung in Washington. Denn mit der fehlenden Unterstützung der Grossbanken ist das Signal an die Förderfirmen klar: Hände weg vom Arctic National Wildlife Refuge. Ungeachtet der Ankündigung der Bank hat aber gestern die Regierung bekanntgemacht, dass sie die Auktion für die Pachtlizenzen am 6. Januar 2021 durchführen werden, knapp zwei Wochen vor der Amtsübernahme des gewählten Präsidenten Joe Biden. Chad Padgett, der staatliche Leiter Alaskas des Bureau for Landmanagement, erklärte, dass es vom Kongress festgelegt worden sei, den Verkauf der Pachtlizenzen in einer ersten Runde bis Dezember 2021 durchzuführen. Die republikanischen Vertreter in Senat und Repräsentantenhaus und auch Vertreter der Bevölkerung der Ortschaft Kaktovik, die mitten im geplanten Fördergebiet liegt, haben die Ankündigung begrüsst.

Das Arctic National Wildlife Refuge ist das grösste Naturschutzgebiet im US-amerikanischen Arktisgebiet und beinahe doppelt so gross wie die Schweiz. Die Ortschaft Kaktovik, die an der Küste des ANWR liegt, glaubt, dass die Natur des Gebietes durch moderne Technologien und ernsthafte Abklärungen keinen Schaden nehmen wird. Doch wenn Grossbanken die Projekte nicht finanzieren werden, stellt sich die Frage, wie das Geld zusammenkommen soll. Bild: USFWS

Doch es stellt sich die Frage, wer denn nun an dieser Auktion tatsächlich teilnehmen wird und wie die Fördergesellschaften ihre Projekte finanzieren sollen. Denn ohne die Grossbanken, die dafür die notwendigen Mittel hätten, wird es schwierig, entsprechende Finanzierungen zu erhalten. Für kleinere Banken ist die gegenwärtige wirtschaftliche Situation eventuell zu unsicher. Der Ölpreis liegt immer noch auf rekordverdächtigem Tiefstand und die COVID-Pandemie hat auch in ökonomischer Sicht massive Schaden angerichtet. Grosse Förderfirmen könnten potentiell in das Geschäft einsteigen. Doch der politische und öffentliche Druck und die Tatsache, dass nur zwei Wochen nach der Auktion der gewählte Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris ihre Ämter antreten werden und erklärte Gegner der Bohrvorhaben sind, dürfte schon ziemlich abschreckend sein. Kleinere und lokale Firmen und Gesellschaften dürften nicht die finanziellen Mittel haben, die Projekte in der versprochenen «nachhaltigen und ökologisch verträglichen» Art umzusetzen, sogar wenn sie die Pachtverträge erwerben würden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Entwicklung des natürlichen Umfeldes. Die von den Wissenschaftlern schon seit langem prognostizierten Permafrostbodenverluste sind in Alaska mittlerweile in rasantem Tempo aktiv. Dies macht den Bau der ohnehin fehlenden Infrastruktur noch mehr zu einem Glücksspiel. Damit könnte ein «Rien ne va plus» für die geplante Auktion entstehen und der Gewinner wäre die Natur des Arctic National Wildlife Refuge.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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