Expedition zum Riesen-Eisberg A-68a gestartet | Polarjournal
Von Bord des Forschungsschiffs RRS James Cook des National Oceanographic Centre werden die Wissenschaftler die Auswirkungen des Eisberg-Giganten genauer untersuchen. Foto: National Oceanographic Centre

Eine Forschungsmission, die die Auswirkungen des riesigen Eisbergs A-68a auf eines der wichtigsten Ökosysteme der Welt bestimmen soll, startete am 2. Februar 2021 von Stanley auf den Falklandinseln aus. Ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung des British Antarctic Survey (BAS) brach mit dem Schiff des National Oceanography Centre (NOC) in Richtung der subantarktischen Insel Südgeorgien auf.

Karte links: A-68a nahm lange Zeit Kurs auf Südgeorgien bis er von Strömungen Richtung Südosten abgelenkt wurde und später in mehrere große und tausende kleine Eisberge zerbrach. Quelle: Laura Gerrish. Bild rechts: Das Satellitenbild von Copernicus Sentinel-1 vom 1. Februar 2021 zeigt die großen Bruchstücke des ehemaligen Riesen-Eisbergs. Foto: ESA

Der riesige Eisberg A-68a, der 2017 vom Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis abbrach und einige Zeit lang direkten Kurs auf Südgeorgien nahm, beunruhigte viele Wissenschaftler wegen der möglichen negativen Auswirkungen auf die dort lebenden Pinguine und andere Tiere. Das britische Wissenschaftsteam stellte kurz nachdem Satellitenbilder die Route des Eisbergs zeigten, einen Antrag zur Finanzierung einer Expedition. Auf Luftbildern des britischen Verteidigungsministeriums von Ende 2020 wurde deutlich, dass der Eisberg aufbricht. Mittlerweile ist er in mehrere kleinere Eisberge mit den Bezeichnungen A68a-m aufgebrochen. Das Team wird die Auswirkungen des Süßwassereintrags aus dem schmelzenden Eis untersuchen, in einer Region, die Heimat von zahlreichen Pinguinen, Robben und Walen ist. In den Gewässern sind auch einige der am nachhaltigsten bewirtschafteten Fischereien der Welt angesiedelt.
Es sollen auch Unterwasserroboter, sogenannte Glider, vom NOC-Forschungsschiff RRS James Cook aus eingesetzt werden, das Mitte Februar an den Eisbergen eintreffen wird.

«Wir haben eine einzigartige Gelegenheit, die Eisberge anzusteuern. Normalerweise dauert es Jahre, die Logistik für Forschungsreisen im Meer zu planen, aber das NERC hat in Zusammenarbeit mit der Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln und dem Blue Belt Programm der britischen Regierung die Dringlichkeit erkannt, schnell zu handeln, damit wir die Eisberge während einer bevorstehenden Reise untersuchen können, um das Ökosystem und das Klima des Südlichen Ozeans zu überwachen. Alle haben sich sehr dafür eingesetzt, dies zu ermöglichen.»

Dr. Povl Abrahamsen, Ozeanograph beim British Antarctic Survey und Leiter der Mission
Unterwassergleiter sind kleine, tauchfähige Roboter, die für einen monatelangen, autonomen Betrieb ausgelegt sind. Anstatt einen Propeller zu verwenden, bewegen sie sich, indem sie ihren Auftrieb verändern, und die Flügel wandeln dies in Vorwärtsbewegung um. Während sie durch das Wasser „fliegen“, können Sensoren Temperatur, Salzgehalt, Chlorophyll und andere Parameter messen. In regelmäßigen Abständen werden die Gleiter auftauchen, ihre Position per GPS überprüfen, Daten an Server in Großbritannien zurücksenden und ihre neue Route abfragen. Foto: David White

Die beiden 1,5 Meter langen, autonomen Glider werden fast vier Monate damit verbringen, Messungen des Salzgehalts, der Temperatur und des Chlorophylls des Meerwassers von gegenüberliegenden Seiten der größten Teile des Eisbergs zu sammeln, wobei sie über eine Satellitenverbindung von Mitarbeitern des NOC und BAS gesteuert werden. Das Team wird auch messen, wie viel Plankton sich im Wasser befindet und seine Ergebnisse mit langfristigen ozeanographischen und Tierstudien um Südgeorgien und der nahe gelegenen Bird Island vergleichen.

Die Gewässer um Südgeorgien gelten als einer der biologisch reichsten Orte auf dem Planeten mit mehr beschriebenen Meeresarten als die Galapagosinseln und sind eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt. Wenn Eisberge in der Nähe der Insel auf Grund laufen, stellen sie eine Gefahr für Pinguine und Robben während der Brutzeit dar.

«Die Eisberge werden den Meeresboden verwüsten, indem sie die Lebensgemeinschaften von Schwämmen, Schlangensternen, Würmern und Seeigeln auf dem Meeresboden zerstören und so die Artenvielfalt verringern. Diese Gemeinschaften helfen dabei, große Mengen an Kohlenstoff in ihrem Körpergewebe und dem umgebenden Sediment zu speichern. Die Zerstörung durch die Eisberge wird diesen gespeicherten Kohlenstoff wieder ins Wasser und möglicherweise in die Atmosphäre freisetzen, was eine weitere negative Auswirkung wäre», erklärt Professor Geraint Tarling, Ökologe beim British Antarctic Survey. «Während wir uns jedoch für die Auswirkungen der Ankunft von A-68a in Südgeorgien interessieren, sind nicht alle Auswirkungen entlang seines Weges negativ. Zum Beispiel geben Eisberge auf ihrer Reise durch den offenen Ozean enorme Mengen an Mineralien ab, der das Meeresplankton um sie herum düngt, was diesem zugute kommt und kaskadenartig in der Nahrungskette nach oben weitergegeben wird.»

Das Satellitenbild vom 31. Januar 2021 zeigt mehrere große Bruchstücke und zahllose kleinere Eisberge in ihrer Umgebung, die große Mengen Süßwasser in die Region eintragen und zudem eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen. Foto: ESA

Andrew Fleming, Leiter der Fernerkundung beim British Antarctic Survey hat die Reise des Eisbergs auf Bildern des Copernicus Sentinel-1 und anderer Satelliten verfolgt und sagt: «Wir beobachten den Kurs des Eisbergs A-68a sehr genau, da wir seit geraumer Zeit keinen Eisberg dieser Größe in diesem Gebiet gesehen haben. Wenn er zerbricht, können Tausende kleinerer Eisberge die Schifffahrtswege in dem Gebiet behindern, vor allem wenn sie sich verteilen. Die Europäische Weltraumorganisation hat regelmäßig Bilder von Sentinel-1 geliefert, die wir in den kommenden Monaten zur weiteren Verfolgung nutzen werden. Die bei den Flugmissionen des Verteidigungsministeriums gesammelten Bilder und Aufnahmen haben uns enorm dabei geholfen, einige der Merkmale zu bestätigen, die wir auf den Bildern aus dem All sehen können. Nahaufnahmen liefern Details darüber, wie der Berg zu zerbrechen beginnt und erlauben uns, diese Prozesse besser zu verstehen.»

Die Forschungsexpedition zu A-68a wurde durch eine gemeinsame Finanzierung des Natural Environment Research Council, der Regierung von Südgeorgien und den Südlichen Sandwichinseln und des Blue Belt Programms der britischen Regierung ermöglicht.

Quelle: British Antarctic Survey

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